Autor: Wolfram Latschar

  • Shippeo: Predictive Track & Trace

    Gerade beim E-Commerce mit sperrigen Gütern sind fehlende Track & Trace Daten der Spediteure ein häufiges Ärgernis. Für Kunden: nur sehr grobe Anlieferzeitfenster, z.B. Nachmittags zwischen 13 und 17 Uhr – Für Online-Shops: dieselben Fragen und Beschwerden im Kundenservice

    Hintergründe zum Ansatz von Shippeo

    Shippeo haben eine Plattform gebaut, die Spediteuren und Frachtführern die Chance gibt, ihre Transportströme in Echtzeit zu verfolgen. Das erfolgt nicht reaktiv über manuelle Eingaben, sondern mittels Machine Learning auch bis zu 30 Stunden in die Zukunft. Die Software berechnet aufgrund aktueller Straßen- und Verkehrsage eine voraussichtliche Ankunftszeit. Neben dem Einsatz in B2B bietet Shippeo auch eine spezielle Extension für Carrier / KEP etc. mit Endkundenbelieferung an.

  • Permanente Inventur mittels Drohne

    Inventuren sind ein dauerndes Ärgernis in der Lagerlogistik. Die Verfahren wie Stichtagsinventur sind zeitaufwendig. Oft wird zusätzliches Personal benötigt, es kommt zum Stillstand des eigentlichen Pick, pack and ship etc.

    Das Fraunhofer Institut hatte im Rahmen eines Forschungsprojekts die Drohne InventAIRy entwickelt, die Lagerbestände automatisch lokalisiert und inventarisiert. Dazu wurden autonome Flugroboter mit einer Sensorik ausgestattet. Die Sensoren sorgen dafür, dass die Flugroboter ihre Umgebung selbständig wahrnehmen und analysieren sowie Barcodes und RFID-Chips auslesen können. 

    Das Projekt hat es nun zu einer Ausgründung gebracht – die Deutsche Verkehrszeitung DVZ hat in einem lesenswerten Artikel ein paar Vor- und Nachteile zusammengetragen.

  • First Mile: Anbieterüberblick

    FreightHub, InstaFreight, Loadfox und SevenSenders  – sie sprießen überall und immer schneller aus dem Boden: Startups, die die verschiedenen Schritte der Spedition und Fracht (See- und Luftfracht, Schienengüterverkehr, Lastwagentransporte) atomisieren und mittels Technologie neu zusammensetzen. Und was macht die etablierte Branche? Schaut zu und wundert sich…

    So hat eine aktuelle Studie von McKinsey, Kühne Nagel University und Google ergeben, dass immer mehr Firmenkunden aktiv bei Google nach relevanten Suchbegriffen suchen – aber nur auf ein schmales Online-Angebot treffen: nur 6% der 18 größten Seefrachter und Speditionen bieten durchgehende Online-Buchungsmöglichkeiten an.

    Da haben die Plattformen leichtes Spiel: Sofort-Preisangebote, Realtime-Buchung online und komplette Abwicklung über E-Payment sind nur einige der Features, die immer mehr den Kundenzugang abschöpfen werden.

  • Ocado: Händler betreibt Fulfillment für Händler

    Vor wenigen Tagen wurde ein ganz besonderer Deal zwischen der US-Supermarkt-Kette Kroger und dem UK-Online-Supermarkt Ocado bekannt, der erstaunlicherweise kaum Nachhall findet in der deutschen Szene. Dabei ist dieser Deal auch für DTC / E-Commerce allgemein richtungsweisend.

    Ocado Fulfillment Center

    Was ist passiert?

    Die größte US-Supermarkt-Kette Kroger (drittgrößter Einzelhändler überhaupt in den USA) hatte schon Mitte 2018 eine tiefgreifende Technologie- und Fulfillment-Partnerschaft mit Ocado verkündet. Jetzt wurden beeindruckende Details dazu veröffentlicht: Kroger wird in den nächsten drei Jahren ganze 20 Fulfillment-Center von Ocado in den USA errichten und betreiben lassen.

    Warum ist das spannend?

    1. Kroger hat die besondere Bedeutung von Lean Logistics als Erfolgsfaktor erkannt. Gerade im E-Food sind die Operations „der Make-it-or-Brake-it-Faktor“
    2. In Deutschland noch oft belächelt, hat Ocado mit seiner Smart Platform unter Beweis gestellt: ein Händler-getriebenes Prozess- und Technologiepaket als kaufbare Lösung am Markt birgt besondere Innovationspotentiale. Kroger hätte auch versuchen können mit externen Logistik- und Automatisierungsdienstleistern etwas aufzubauen, aber eben die extreme Praxisnähe und Betriebstauglichkeit überwiegt dann doch.
    3. Es ist eine Abkehr von dem bisherigen Ship-from-(Dark-)Store Konzept, bei dem Kroger die Online-Bestellungen in den Filialen selber gepickt hat und mittels Instacart und Shipt versendet hatte. Auch wenn es bereits Pläne gab, diese Services weiter auszubauen, bleibt es hier spannend, ob diese Services nun stärker depriorisiert werden.

    Und warum ist das für die deutsche E-Commerce Szene spannend?

    Nun, ganz einfach: Während REWE erstmal selber versucht ein „Ocado-like“ Fulfillment Center hochautomatisiert zu bauen und zu betreiben – stellt sich nicht nur für Jochen Krisch, sondern auch mich, die Frage:

  • Last-Mile: Pick8Ship als Vision oder Alternative zu DHL?

    Pick8Ship schickt sich an, die Versandlogistik radikal neu zu denken. Was steckt dahinter? Mit den aktuellen Infos noch etwas sehr spekulativ, aber meiner Einschätzung nach: Ähnlich dem „Container-Moment“ versucht das Startup den Ladungsträger in der B2C-Logistik zu standardisieren. Dazu werden Mehrweg-Behälter genutzt, in die Online-Bestellungen integriert werden. Diese Behälter ließen sich somit wesentlich einfacher im Versandwarehouse des Online-Händlers, in der Sortierung bei den Carriern und auf den Lieferfahrzeugen auf der „last-mile“ nutzen. 

     

    Aber Moment mal – macht das z.B. Memo nicht schon genauso?

    Seit 2007 schon nutzt der Büroversender Memo die grüne Mehrweg-Versandbox – und hat dafür auch einen Logistik-Preis des BVL eingesammelt im letzten Jahr.

    Quelle: memoworld.de

    Klar, die Unterschiede sind offensichtlich: Pick8Ship will nicht nur die 1:1-Beziehung über die Box abdecken, sprich nicht nur ein Händler befüllt für einen Endkunden eine Box, sondern in deren Mehrwegbehältern werden wohl mehrere Sendungen konsolidiert. Außerdem bin ich gespannt auf die Innovation die sich hinter „Automatisiert: beladen, sortieren, transportieren direkt im Wagen“ verbirgt. Damit wird das ganze stehen und fallen.

    In jedem Falle zeigt das Ganze, dass Jochen Krisch & Marcel Weiss mal wieder den richtigen Riecher bewiesen haben. Schon seit 2-3 Jahren nehmen die beiden das Thema regelmäßig in den Exchanges und dem Blog in den Fokus. Oft wurden sie von den vermeintlichen Branchen-Experten belächelt – jetzt bin ich umso mehr gespannt, welche disruptiven Lösungen sie noch so alles auftun werden.

  • eBay Fulfillment führt zu Kopfschütteln

    „Als ein führendes globales Handelsunternehmen sind wir überzeugt, dass die Logistik von strategischer Wichtigkeit ist, um die Käufer- und Verkäufer-Erfahrung auf unserer DTC-Plattform zu verbessern“, sprach Michael Pasch, Senior Director Loyalty & Logistics bei eBay – und hinterlässt aus einer Operations-Perspektive doch viel Kopfschütteln und eine gewisse Skepsis über den gewählten Ansatz.

    Das gab es doch schon mal alles – ganz früher

    eBay hatte mal große Pläne mit Magento und eBay Enterprises (ehemals GSI Commerce) eine Art Ökosystem für seine Händler aufzubauen – auch und gerade im Fulfillment. Ergebnis: Eingestampft und unter Kaufpreis weitergereicht. Auch das auf eBay spezialisierte Order-Management-Tool Afterbuy hat man unsinnigerweise abgestoßen.

    Das gab es doch schon mal alles – in 2017

    Wie das bei Marktplatz-Themen immer sehr gut informierte Blog Wortfilter schon im September 2017 berichtete, pilotierte eBay das Fulfillment-Programm. Damals noch mit DHL als Fulfillment-Partner, jetzt eben mit Fiege.

    Und jetzt: wenig Erkenntnis und wenig Mut 

    eBay hat also die besondere Bedeutung eines eigenen Fulfillment-Programms erkannt – und setzt durchgängig nur auf externe Partner. Ein Flickenteppich an Lösungen. Das mag man gerne als „asset light“ und somit smart preisen – aber für ein Unternehmen, dass angeblich den besonderen Wert der Logistik erkannt hat – und mit Amazon konkurriert – ist das doch etwas zu schmal gedacht. Schauen wir uns einmal das Setup en detail an:

    • Fiege übernimmt an seinem Standort Apfelstädt bei Erfurt das Warehousing inkl. Pick & Pack für die Händler-Artikel
    • Hermes ist der KEP-Dienstleister für den Versand der Pakete
    • Die technische Anbindung an dieses Fulfillment-Angebot erfolgt durch Plentymarkets

    Gerade bei einem heterogenen Sortiment kommt einem flexiblen Warehousing-Setup eine besondere Bedeutung zu – denn sonst wird sich zu schnell nur wieder auf kleinvolumige + Fashion-Artikel fokussiert. Gerade bei eBay scheint es mir aber viele sehr unterschiedliche Sortimente zu geben. Oft eine besondere Herausforderung für externe Fulfillement-Dienstleister.

    Jeder dieser Partner will natürlich auch „ein Stück vom Kuchen“, sprich Profit, abhaben. Daher erscheint es mir zweifelhaft, ob das Fulfillment-Programm z.B. wirklich viele verschiedene Produktkategorien aufnehmen kann (von Elektronik über Fashion bis hin z.B. zu Sperrgut) – oder eben attraktive Konditionen für die eher preissensiblen Powerseller anbieten kann.

    Was wäre denn besser gewesen?

    Na wenigstens hätte eBay die Logistik selber machen können z.B. unterstützt mit bewährten Lean Logistics Methoden (Lean Warehousing)- oder, wenn schon, dann einen reinen Intralogistiker als Generalunternehmer nutzen sollen. Durch diesen Ansatz hätte man sich einige Prozentpunkte Marge mehr gesichert und diese nutzen können um die oben angesprochenen Nachteile zu reduzieren. Auch erschließt sich mir nicht, warum der Technologiepart nicht vollständig durch Shutl abgebildet werden konnte – schließlich war die Tech-Expertise der Hebel für die Konsolidierung des Last-Mile-Marktes in UK.

    Aber lassen wir uns mal überraschen, angeblich sollen die Kosten nun doch unter denen von FBA liegen.

    eBay Versand erscheint dagegen hochgradig sinnvoll

    Dabei verbarg sich in der Pressemitteilung von eBay durchaus noch ein sehr sinnvoller Service: Versandunterstützung von eBay für kleinere Händler. Hier holt der KEP-Dienstleister zu einer attraktiven Cut-off Zeit („nach 14.30 Uhr“) die Pakete beim Händler ab und speist diese in seine Zustellung ein. Hier scheint dann auch ausschließlich die Shutl-Technologie auch als Schnittstelle zum Händler zum Einsatz zu kommen…