Autor: Digitalhandeln Blog

  • Amazon steuert bald deine eBay-Verkäufe: Was der Gratis-Hub kostet

    Amazon holt die Bestellungen der Konkurrenz ins eigene Backend. Auf der Händlerkonferenz Accelerate in Seattle kündigte Amazon am 24. September Multichannel Selling Tools an: Händler verbinden ihre Konten bei eBay, Shopify, TikTok Shop und Walmart und sehen alle offenen Bestellungen auf einem Screen.

    Kosten: keine. Eine Shopify-Bestellung lässt sich per Klick an Amazon zur Abwicklung geben, das Tracking fließt automatisch zurück. Technisch steckt dahinter die 2021 gekaufte Versandsoftware Veeqo, die Amazon heute gratis anbietet. GeekWire nennt Mary Beth Westmoreland, VP Worldwide Selling Partner Experience, als Sprecherin.

    Warum das für dich relevant ist

    Der Gratis-Hub bezahlt sich mit Daten. Wer seine eBay- und Shopify-Bestellungen in Amazons Oberfläche zieht, gibt Amazon Sicht auf Nachfrage, Marge und Sortiment beim Wettbewerb — genau die Information, die bisher der einzige strukturelle Vorteil eines eigenen Multichannel-Setups war.

    Die Abhängigkeit ist ohnehin groß. Amazon gibt an, über 95 Prozent seiner Händler verkaufen auf mehreren Kanälen. Laut dem Marketplace Pulse 2026 Seller Index machen 71 Prozent der Amazon-zentrierten Händler mit Zweitkanal trotzdem drei Viertel oder mehr ihres Marktplatzumsatzes bei Amazon.

    Ein Fulfillment-Auftrag aus Walmart ist am Ende Amazon-Umsatz mit Walmarts Kunden. Das ist die operative Kehrseite der Agenten-Debatte: Nicht nur KI-Agenten, auch Marktplätze kämpfen um die Hoheit über Produkt- und Transaktionsdaten.

    Der Blick nach vorn

    Für DACH gibt es bisher kein Datum. Der Rollout läuft schrittweise an US-Händler, ein Start in Deutschland oder der EU ist nicht belegt. Genau diese Vorlaufzeit ist das Entscheidungsfenster: Wer heute ChannelAdvisor, plentymarkets oder Veeqo im Einsatz hat, sollte jetzt festlegen, welche Daten künftig wo liegen dürfen.

    Für dich als Entscheider bedeutet das: Prüfe, welches System bei dir die Hoheit über Bestell- und Margendaten hält — und entscheide vor einem möglichen EU-Start, ob du sie Amazon offenlegst. Ein kostenloses Tool, das den Umsatz beim Wettbewerb sichtbar macht, ist kein Geschenk, sondern ein Tausch.

  • Ab 27. September wird dein Nachhaltigkeits-Claim abmahnbar: Was raus muss

    Am 27. September 2026 werden pauschale Umweltaussagen im B2C-Handel abmahnbar. Dann gilt die Umsetzung der EmpCo-Richtlinie im Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) – das Regelwerk, das unfaire Werbung sanktioniert.

    Betroffen sind Aussagen wie „klimaneutral“, „umweltfreundlich“ oder „grün“, wenn kein belastbarer Nachweis dahintersteht. Ebenso fallen selbst entwickelte Nachhaltigkeitssiegel ohne unabhängige Zertifizierung unter das Verbot.

    Warum das für dich relevant ist

    Das Risiko liegt nicht im nächsten Kampagnenbriefing, sondern in deinem Archiv. Entscheidend ist nicht, wann eine Werbeaussage entstanden ist, sondern ob sie nach dem Stichtag noch im geschäftlichen Verkehr verwendet wird.

    Alles, was am 28. September noch abrufbar ist und der Absatzförderung dient, wird nach neuem Recht bewertet. Das Greenwashing-Verbot trifft damit Bestandsinhalte, die seit Jahren niemand mehr angefasst hat.

    Abmahnberechtigt sind Mitbewerber und Verbände. Es braucht also keine Behörde, die prüft – es reicht ein Wettbewerber mit einem Screenshot deiner Kategorieseite.

    Die Streichliste fürs Archiv

    Vier Orte werden übersehen, weil sie nicht im Redaktionsplan stehen:

    • Produktbeschreibungen und Kategorietexte – auch bei ausgelisteten Artikeln, solange die Seite erreichbar ist
    • Alte Landingpages aus Kampagnen, die längst abgelaufen sind, aber weiter indexiert werden
    • Marktplatz-Listings bei Amazon, eBay oder Otto, deren Texte aus einem alten Feed stammen
    • Eigene Siegel und Hausgrafiken ohne unabhängige Zertifizierung – das „Öko“-Blatt aus der Designabteilung reicht nicht

    Kompensation trägt einen Claim nicht mehr. Eine Aussage wie „klimaneutral“ ist unzulässig, wenn die Neutralität ausschließlich über gekaufte CO₂-Zertifikate erreicht wird. Wer sein Produktversprechen auf Ausgleichszahlungen gebaut hat, verliert damit die Grundlage der Werbeaussage – nicht das Projekt, aber den Satz auf der Produktseite.

    Was jetzt zu tun ist

    Zwei Tage reichen nicht für eine Nachweiskette, aber für eine Suche. Volltextsuche im Shopsystem und im Produktfeed nach den Reizwörtern, dann streichen statt umformulieren. Ein konkreter, belegter Satz („Verpackung aus 80 Prozent Recyclingmaterial“) ist zulässig – die pauschale Behauptung nicht.

    Der Händlerbund hat zum Stichtag einen Überblick über die künftig verbotenen Begriffe veröffentlicht. Nutz ihn als Suchliste, nicht als Lektüre.

    Der 27. September trägt noch eine zweite Pflicht: das harmonisierte Gewährleistungs- und Garantielabel auf Basis der Durchführungsverordnung (EU) 2025/1960. Wer diese Woche nur das Label abgearbeitet hat, hat die Hälfte der Frist erledigt.

    Für dich als Entscheider bedeutet das: Priorisiere die Streichung vor der Verbesserung. Jede pauschale Umweltaussage, die am 28. September noch online ist, ist ein Angriffspunkt für Mitbewerber – unabhängig davon, wie alt der Text ist. Lass heute den Produktkatalog, die Feeds und die alten Landingpages nach „klimaneutral“, „umweltfreundlich“ und „grün“ durchsuchen und entferne, was du nicht in derselben Stunde belegen kannst. Der Nachweis lässt sich nachliefern, die Abmahnung nicht zurücknehmen.

  • Agentic Commerce – erste echte Verbraucherbefragungen

    Bisher wurde Agentic Commerce über Reichweite diskutiert, jetzt liegen erstmals Conversion-Zahlen vor. Zwei Verbraucherbefragungen vom September zeigen: Der Traffic aus KI-Assistenten ist nicht nur knapp, er ist auch gnadenlos. Und die Rechnung für schlechte Empfehlungen zahlt der Händler, nicht der Modellbetreiber.

    Die Zahlen sprechen eine klare Sprache

    Laut einer von Retail Dive berichteten SmartCustomer-Umfrage hat ein Drittel der Befragten nach einer KI-Empfehlung einen Kauf getätigt, den sie bereut haben. Rund die Hälfte dieser Fehlkäufe entfällt auf Elektronik, Mode und Schuhe kommen auf 45 Prozent. 53 Prozent äußern Misstrauen gegenüber den Anbietern hinter den Empfehlungen.

    Contentsquare hat 2.000 Verbraucher in den USA und Frankreich befragt und den Moment nach dem KI-Verweis gemessen. Enttäuscht die Zielseite, kaufen nur 3 Prozent trotzdem. 23 Prozent wechseln direkt zum Wettbewerber, 57 Prozent recherchieren weiter, 16 Prozent brechen den Kauf ganz ab. Diese Zahlen liegen bisher nur als Sekundärbericht vor. Und: Beide Erhebungen sind US- beziehungsweise US/Frankreich-basiert, vergleichbare DACH-Daten gibt es nicht.

    Warum das für dich relevant ist

    Der Schaden ist doppelt. Vorne verlierst du 97 von 100 Besuchern, die ein Agent dir geschickt hat, wenn die Produktseite langsam lädt, unklar beschreibt oder schlecht bebildert ist. Hinten kommen die Retouren aus den Fehlkäufen zurück – samt Bearbeitung, Wertverlust und Versand. Der Modellbetreiber trägt davon nichts.

    Praktisch heißt das: Die Landingpage ist der Engpass, nicht die Sichtbarkeit im Assistenten. Ladezeit, vollständige Attribute, Größen- und Kompatibilitätsangaben, echte Produktbilder – das sind jetzt Conversion-Faktoren mit messbarem Preisschild, nicht mehr nur SEO-Hygiene.

    Für dich als Entscheider bedeutet das: Bevor du Budget in Sichtbarkeit bei KI-Assistenten steckst, prüfe die Zielseiten deiner umsatzstärksten Produkte auf Ladezeit, Datenvollständigkeit und Bildqualität. Agenten-Traffic verzeiht nichts – und die Retourenkosten der Fehlkäufe landen bei dir. Miss Agenten-Traffic ab sofort getrennt aus, sonst siehst du das Problem nicht, bevor es teuer wird.

  • Amazon sperrt Metas Muse aus: Agenten-Zugang wird zur Händlerentscheidung

    Amazon hat in der Nacht zum Montag angefangen, Metas KI-Agenten Muse vom eigenen Shop auszusperren. Nutzer sehen Pop-ups, wonach der Zugriff die Nutzungsbedingungen verletze. Amazon hatte Meta zuvor aufgefordert, den Agenten fernzuhalten — Meta lehnte ab, daraufhin kam die Sperre. Muse war erst am 8. September in den USA gestartet, führte die kostenlosen iPhone-Charts vor ChatGPT an, und die Meta-Aktie legte am Montag über 11 Prozent zu.

    Warum Amazon zum Türsteher wird

    Der Fall ist kein Einzelfall. Amazon hat Perplexity wegen des Comet-Browsers verklagt und Shopping-Agenten von Google und OpenAI blockiert. Die Amazon-Regeln für 2026 verlangen, dass automatisierte Systeme sich identifizieren und den Zugriff auf Aufforderung einstellen.

    Der ökonomische Kern ist das Werbegeschäft. Über 68 Milliarden Dollar Werbeerlöse im Vorjahr hängen daran, dass Menschen Produktseiten ansehen und Sponsored Products wahrnehmen. Ein Agent, der die Seite nur ausliest und den günstigsten Treffer nimmt, entwertet dieses Inventar. Muse bedient Websites übrigens wie ein Mensch über den Browser, wenn kein öffentliches API existiert — genau das macht die Abgrenzung technisch schwierig.

    Was das für dich relevant macht

    Muse ist bislang US-only, der Präzedenzfall ist es nicht. Hier entscheidet sich, ob Agenten-Zugang eine Frage der AGB ist oder ein offener Standard. Und die Interessenlage ist nicht überall wie bei Amazon: Wer kein Retail-Media-Geschäft verteidigt, verliert durch Ausschluss nur Sichtbarkeit. Zur Einordnung des Tempos: Laut Coveo lassen bisher nur 16 Prozent der Käufer einen KI-Assistenten eigenständig kaufen — McKinsey rechnet bis 2030 aber mit bis zu 1 Billion Dollar US-Handelsumsatz über KI-vermittelte Suche und Kaufautomatisierung.

    Für dich als Entscheider bedeutet das: Der Agentenzugriff auf deinen Shop ist ab jetzt eine bewusste Entscheidung, keine technische Nebensache. Kläre diese Woche, was in deiner robots.txt steht, wie dein Bot-Management zwischen Scraper und Kaufassistent unterscheidet und wo Rate Limits greifen. Amazon schottet ab, weil es Werbeerlöse und Kundenbeziehung schützt. Hast du kein Retail-Media-Geschäft, ist Abschottung kein Vorbild, sondern ein Sichtbarkeitsrisiko.

  • Temu führt in vier EU-Märkten und steht fast in jedem europäischen Land in den Top10 der Online-Händler

    Temu steht in fast jedem europäischen Land in den Top 10 der Online-Händler. In vier Märkten ist die chinesische Plattform sogar die Nummer eins: Kroatien, Finnland, Ungarn und Slowenien. Das geht aus den aktualisierten Europa-Rankings des Hamburger Datenanbieters ECDB hervor, die Ecommerce News Europe aufgegriffen hat. Temu ist in Europa erst seit 2023 aktiv.

    Die Zahlen sprechen eine klare Sprache

    Die vier Spitzenplätze haben eine Gemeinsamkeit: In keinem dieser Länder betreibt Amazon einen lokalen Shop, und keines hat einen großen heimischen Marktplatz. Amazon setzte 2025 weltweit 847,4 Milliarden US-Dollar um — 86 Prozent davon in nur sieben Märkten. Alles außerhalb dieser sieben ist für Amazon Streugebiet und für Temu offenes Feld.

    Die Gegenprobe liefert DACH. In Deutschland kam Amazon Marketplace 2024 laut ECDB auf 52,0 Milliarden Euro GMV, eBay auf 8,7 Milliarden, Otto auf 7,1 Milliarden. Temu wuchs um rund 300 Prozent — und landete damit trotzdem nur auf Platz 5. In Österreich liegt Temu hinter Amazon auf Platz 2.

    Warum das für dich relevant ist

    Temus Position ist keine Frage der Marketingstärke, sondern eine Funktion der Wettbewerbslücke. Wo eine etablierte Plattform das Feld besetzt, bleibt Temu im Mittelfeld. Wo beides fehlt — lokaler Amazon-Shop und starker Heimatmarktplatz — ist es sofort Nummer eins. Das kehrt die gängige Erzählung um: Amazon und Otto sind in Deutschland nicht beliebter, sie sind strukturell im Weg.

    Für DACH-Händler, die CEE und die Nordics als margenstarke Exporterweiterung einplanen, hat das eine unbequeme Folge. In diesen Märkten gibt es keinen gewachsenen Preiskorridor, an dem Du dich orientieren könntest. Den Anker hat Temu gesetzt – und zwar ganz unten.

    Für dich als Entscheider bedeutet das: Prüfe Deine Exportpläne für Osteuropa und Skandinavien nicht nach Marktgröße, sondern nach der Frage, wer dort den Preisanker hält. Wo Temu bereits Nummer eins ist, funktioniert ein Markteintritt über Preis nicht mehr – dort brauchst Du Marke, Beratung, Service oder Sortimentstiefe als Argument. Umgekehrt zeigt Deutschland, dass ein besetzter Markt der beste Schutz gegen Billigplattformen ist. Der Wettbewerbsvorteil liegt weniger in der eigenen Kostenstruktur als in der Frage, welche Lücke Du betrittst.

  • Gewährleistungslabel ab 27. September: Vier Marktplätze, vier Workflows

    Am Sonntag läuft die Frist ab. Zum 27. September 2026 greift in der EU eine neue Informationspflicht rund um Gewährleistung und Garantie. Verbraucher sollen künftig direkt am Produkt erkennen, dass ihnen die gesetzliche Gewährleistung zusteht — und wo ein Händler freiwillig mehr verspricht. Hintergrund ist die EmpCo-Richtlinie, mit der die EU Verbraucher beim sogenannten grünen Wandel stärken will. Die IHK Region Stuttgart hat die neuen Informationspflichten zu Garantien und Gewährleistung zusammengefasst.

    Was ins Listing gehört

    Der Kern der Regelung: Der Hinweis auf die gesetzliche Gewährleistung gehört an das Produkt — nicht versteckt in die AGB, nicht in den Footer. Für freiwillige Garantien, die über das gesetzliche Niveau hinausgehen, ist ein harmonisiertes Label vorgesehen, das EU-weit einheitlich aussehen soll. Wer keine Garantie gibt, muss trotzdem über die Gewährleistung informieren.

    Praktisch heißt das vor allem Textarbeit an Stellen, die seit Jahren niemand angefasst hat. Produktbeschreibungen, Feed-Templates, Bulk-Uploads, Garantiebedingungen der Hersteller. Und ein Blick auf die eigenen Werbeaussagen: Wer bisher eine ohnehin geschuldete Leistung als Extra verkauft hat, hat ab Sonntag ein zusätzliches Problem, weil die neue Kennzeichnung genau diesen Unterschied sichtbar macht.

    • Produktseiten und Feeds prüfen: Steht der Gewährleistungshinweis am Artikel oder nur in den Rechtstexten?
    • Alle Garantieversprechen inventarisieren — eigene wie die der Hersteller, inklusive Laufzeit und Umfang
    • Werbetexte durchsehen: Wo wird die gesetzliche Gewährleistung als freiwillige Zusatzleistung dargestellt?
    • Für jeden Marktplatz die eigene Umsetzung nachlesen, statt eine Lösung auf alle Kanäle zu kopieren
    • Den eigenen Shop nicht vergessen: Dort gibt es keine Plattform, die etwas automatisch ergänzt

    Vier Marktplätze, vier Umsetzungen

    Für Multichannel-Händler ist das der eigentliche Aufwand. Amazon, eBay, Kaufland und Kleinanzeigen setzen die Vorgabe jeweils anders um — welche Plattform dir wie viel abnimmt und was du selbst pflegen musst, führt der Marktplatz-Check des Händlerbunds einzeln auf. Plane für jeden Kanal einen eigenen Durchlauf ein, statt auf eine zentrale Lösung zu hoffen.

    Entscheidend ist die Haftungsfrage dahinter: Eine Plattformfunktion entbindet dich nicht von der Pflicht. Verkäufer bleibt der Händler, und Verstöße gegen Informationspflichten sind im deutschen E-Commerce seit jeher Abmahnstoff. Wer sich darauf verlässt, dass ein Marktplatz den Hinweis schon irgendwo einblendet, trägt trotzdem das Risiko.

    Der Blick nach vorn

    Sechs Tage reichen nicht für eine saubere Sortimentsbereinigung, aber für das Wesentliche: Die umsatzstärksten Listings und die Kanäle mit dem größten Volumen zuerst, der Longtail danach. Für dich als Entscheider bedeutet das: Diese Woche gehört der Compliance, nicht dem Marketing. Setze jemanden verbindlich auf die vier Marktplätze plus eigenen Shop an, priorisiere nach Umsatz und dokumentiere, was bis Sonntag umgesetzt ist. Die Garantie, die du freiwillig gibst, wird ab dem 27. September zum sichtbaren Verkaufsargument — und die, die du nur behauptest, zum Angriffspunkt.