Schlagwort: Amazon

  • Temu führt in vier EU-Märkten und steht fast in jedem europäischen Land in den Top10 der Online-Händler

    Temu steht in fast jedem europäischen Land in den Top 10 der Online-Händler. In vier Märkten ist die chinesische Plattform sogar die Nummer eins: Kroatien, Finnland, Ungarn und Slowenien. Das geht aus den aktualisierten Europa-Rankings des Hamburger Datenanbieters ECDB hervor, die Ecommerce News Europe aufgegriffen hat. Temu ist in Europa erst seit 2023 aktiv.

    Die Zahlen sprechen eine klare Sprache

    Die vier Spitzenplätze haben eine Gemeinsamkeit: In keinem dieser Länder betreibt Amazon einen lokalen Shop, und keines hat einen großen heimischen Marktplatz. Amazon setzte 2025 weltweit 847,4 Milliarden US-Dollar um — 86 Prozent davon in nur sieben Märkten. Alles außerhalb dieser sieben ist für Amazon Streugebiet und für Temu offenes Feld.

    Die Gegenprobe liefert DACH. In Deutschland kam Amazon Marketplace 2024 laut ECDB auf 52,0 Milliarden Euro GMV, eBay auf 8,7 Milliarden, Otto auf 7,1 Milliarden. Temu wuchs um rund 300 Prozent — und landete damit trotzdem nur auf Platz 5. In Österreich liegt Temu hinter Amazon auf Platz 2.

    Warum das für dich relevant ist

    Temus Position ist keine Frage der Marketingstärke, sondern eine Funktion der Wettbewerbslücke. Wo eine etablierte Plattform das Feld besetzt, bleibt Temu im Mittelfeld. Wo beides fehlt — lokaler Amazon-Shop und starker Heimatmarktplatz — ist es sofort Nummer eins. Das kehrt die gängige Erzählung um: Amazon und Otto sind in Deutschland nicht beliebter, sie sind strukturell im Weg.

    Für DACH-Händler, die CEE und die Nordics als margenstarke Exporterweiterung einplanen, hat das eine unbequeme Folge. In diesen Märkten gibt es keinen gewachsenen Preiskorridor, an dem Du dich orientieren könntest. Den Anker hat Temu gesetzt – und zwar ganz unten.

    Für dich als Entscheider bedeutet das: Prüfe Deine Exportpläne für Osteuropa und Skandinavien nicht nach Marktgröße, sondern nach der Frage, wer dort den Preisanker hält. Wo Temu bereits Nummer eins ist, funktioniert ein Markteintritt über Preis nicht mehr – dort brauchst Du Marke, Beratung, Service oder Sortimentstiefe als Argument. Umgekehrt zeigt Deutschland, dass ein besetzter Markt der beste Schutz gegen Billigplattformen ist. Der Wettbewerbsvorteil liegt weniger in der eigenen Kostenstruktur als in der Frage, welche Lücke Du betrittst.

  • Gewährleistungslabel ab 27. September: Vier Marktplätze, vier Workflows

    Am Sonntag läuft die Frist ab. Zum 27. September 2026 greift in der EU eine neue Informationspflicht rund um Gewährleistung und Garantie. Verbraucher sollen künftig direkt am Produkt erkennen, dass ihnen die gesetzliche Gewährleistung zusteht — und wo ein Händler freiwillig mehr verspricht. Hintergrund ist die EmpCo-Richtlinie, mit der die EU Verbraucher beim sogenannten grünen Wandel stärken will. Die IHK Region Stuttgart hat die neuen Informationspflichten zu Garantien und Gewährleistung zusammengefasst.

    Was ins Listing gehört

    Der Kern der Regelung: Der Hinweis auf die gesetzliche Gewährleistung gehört an das Produkt — nicht versteckt in die AGB, nicht in den Footer. Für freiwillige Garantien, die über das gesetzliche Niveau hinausgehen, ist ein harmonisiertes Label vorgesehen, das EU-weit einheitlich aussehen soll. Wer keine Garantie gibt, muss trotzdem über die Gewährleistung informieren.

    Praktisch heißt das vor allem Textarbeit an Stellen, die seit Jahren niemand angefasst hat. Produktbeschreibungen, Feed-Templates, Bulk-Uploads, Garantiebedingungen der Hersteller. Und ein Blick auf die eigenen Werbeaussagen: Wer bisher eine ohnehin geschuldete Leistung als Extra verkauft hat, hat ab Sonntag ein zusätzliches Problem, weil die neue Kennzeichnung genau diesen Unterschied sichtbar macht.

    • Produktseiten und Feeds prüfen: Steht der Gewährleistungshinweis am Artikel oder nur in den Rechtstexten?
    • Alle Garantieversprechen inventarisieren — eigene wie die der Hersteller, inklusive Laufzeit und Umfang
    • Werbetexte durchsehen: Wo wird die gesetzliche Gewährleistung als freiwillige Zusatzleistung dargestellt?
    • Für jeden Marktplatz die eigene Umsetzung nachlesen, statt eine Lösung auf alle Kanäle zu kopieren
    • Den eigenen Shop nicht vergessen: Dort gibt es keine Plattform, die etwas automatisch ergänzt

    Vier Marktplätze, vier Umsetzungen

    Für Multichannel-Händler ist das der eigentliche Aufwand. Amazon, eBay, Kaufland und Kleinanzeigen setzen die Vorgabe jeweils anders um — welche Plattform dir wie viel abnimmt und was du selbst pflegen musst, führt der Marktplatz-Check des Händlerbunds einzeln auf. Plane für jeden Kanal einen eigenen Durchlauf ein, statt auf eine zentrale Lösung zu hoffen.

    Entscheidend ist die Haftungsfrage dahinter: Eine Plattformfunktion entbindet dich nicht von der Pflicht. Verkäufer bleibt der Händler, und Verstöße gegen Informationspflichten sind im deutschen E-Commerce seit jeher Abmahnstoff. Wer sich darauf verlässt, dass ein Marktplatz den Hinweis schon irgendwo einblendet, trägt trotzdem das Risiko.

    Der Blick nach vorn

    Sechs Tage reichen nicht für eine saubere Sortimentsbereinigung, aber für das Wesentliche: Die umsatzstärksten Listings und die Kanäle mit dem größten Volumen zuerst, der Longtail danach. Für dich als Entscheider bedeutet das: Diese Woche gehört der Compliance, nicht dem Marketing. Setze jemanden verbindlich auf die vier Marktplätze plus eigenen Shop an, priorisiere nach Umsatz und dokumentiere, was bis Sonntag umgesetzt ist. Die Garantie, die du freiwillig gibst, wird ab dem 27. September zum sichtbaren Verkaufsargument — und die, die du nur behauptest, zum Angriffspunkt.

  • Amazon Today mit Ship-From-Store und wie sich diese zu Micro-Fulfillment entwickeln könnte 

    Amazons neuester Vorstoß besteht darin, dass Prime-Mitglieder Produkte aus den Geschäften einiger ihrer Lieblingsmarken in der Amazon-App und auf Amazon.com zu kaufen und sich ihre Einkäufe noch am selben Tag nach Hause liefern zu lassen – und das alles mit nur einem Mausklick. 

    Amazon Today Ship from Store Micro-Fulfillment-Center

    Prime-Mitglieder in 10 ausgewählten US-Ballungszentren besuchen einfach die Amazon-App oder Amazon.com, durchsuchen die kuratierte Auswahl von Einzelhandelsgeschäften in ihrer Umgebung und wählen Same-Day Delivery. Amazon sendet die Bestellung an das Geschäft, der Mitarbeiter des Retailers führt sie aus dem Bestand des Geschäfts aus und ein Amazon-Zustellpartner holt die Bestellung im Store ab und liefert sie noch am selben Tag an den Kunden aus.

    Next Level: Konsolidierung über Micro Fulfillment Center durch Amazon 

    Amazon hat sicher verstanden, dass der oben beschriebene Prozess ineffizient und kostspielig ist. Deswegen wird Amazon vielleicht schon bald die nächste Stufe zünden: Einzelhändler davon überzeugen, ihr bestverkauftes Inventar in Amazons automatisierten Micro Fulfillment Center (MFC) zu lagern. Erste Signale lassen vermuten, dass der Ausbau von Micro-Fulfillment das nächste große Ding bei Amazon sein kann (z.B. sucht Amazon Robotics explizit Spezialisten mit dem Profil „Amazon Robotics seeks a customer obsessed and innovative Senior Electrical Engineer to lead the designs for our next generation fulfillment solutions enabling ultra-fast delivery from small footprint sites“). 

    Anstatt einen Mitarbeiter in einem Ladengeschäft mit der Ausführung einer Bestellung zu beauftragen und auf einen Fahrer zu warten, könnte Amazon sein Netzwerk von automatisierten MFCs nutzen, um Produkte aus Dutzenden von Kategorien, darunter Waren des täglichen Bedarfs, Lebensmittel, Schönheitsprodukte, Haustiere, Spielzeug, Elektronik und Bekleidung, innerhalb von Minuten auszuführen.

    Amazon könnte die Einzelhandelsgeschäfte mit Micro Fulfillment Center verdrängen, weil es ein besseres Modell ist. Walmart versucht sich bereits dafür zu wappnen. Auch Target hat die Parole „Store to Hubs“ ausgerufen und prüft MFC. 

    Warum ist eine Micro-Fulfillment-Lösung allgemein für E-Commerce Entscheider relevant?

    Hinter den MFC stehen zwei langfristige Trends, die auch für andere E-Commerce-Geschäfte genutzt werden können:

    • MFC nutzen massiv Automatisierungslösungen für logistische Kernprozesse, insbesondere Pick & Pack. Viele E-Commerce Operations Verantwortliche unterschätzen noch das Potenzial dieser Technologie-Lösungen wie Autostore etc. – zuletzt hat Arvato Supply Chain Solutions ein ebensolches System implementiert, obwohl sie das wahrscheinlich jahrelang abmoderiert, haben, mit dem Hinweis auf eingeschwungene Prozesse mit menschlichen Mitarbeitern.  
    • Die große Richtungsentscheidung zwischen „Speed vs. Flexibilität“ auf der Last-Mile haben die KundenInnen klar entschieden: schnellere Lieferungen sind entscheidend. Quick Commerce, Gorilla & Co lassen grüßen! Auch jeder Online-Shop Betreiber sollte sich überlegen, wie er mit seinen Bordmitteln und Carriern eine „Express-Option“ für seine Kunden anbieten kann. 

    Was bedeutet eigentlich „Micro-Fulfillment“?

    Micro-Fulfillment bezieht sich hauptsächlich auf die Entwicklung kleinerer Fulfillment-Center, komprimiert auf kleinstem Raum mitten in der Stadt. Micro-Fulfillment umfasst die üblichen Funktionen wie Lagern, Sortieren, Kommissionierung (mit und ohne Behälter), Verpacken, Etikettieren und Vorbereitung zur Auslieferung von Online-Bestellungen. In den letzten Jahren hat es eine deutliche Verschiebung hin zum Einsatz automatisierter Systeme gegeben. Dazu gehört die Automatisierung der gesamten Prozesskette, einschließlich der Warehouse-Logistics und Supply Chain. Ziel sind blitzschnelle Lieferungen auf Basis einer vollautomatischen Lösung. 

    Der Begriff MFC wird oft synonym mit „letzte Meile“ verwendet. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass der Schwerpunkt hier vor allem auf dem letzten Schritt der Lieferkette kurz vor Übergabe an den Last-Mile-Carrier liegt. 

    Abgrenzung zwischen Fulfillment und Microfulfillment

    Micro-Fulfillment (auch Micro-Fulfillment-Lösung genannt) wird oft mit Fulfillment verwechselt, da sich beide Begriffe auf Logistik und Lagerhaltung beziehen. Beim Micro Fulfillment Center werden jedoch keine großen Lagerkapazitäten benötigt. Vielmehr setzt Micro-Fulfillment aus Lagerräume, die wesentlich kleiner sind als in der Logistik. Sie sind in der Regel zwischen 50 und 1.000 Quadratmeter groß. Sie sind auch billiger als herkömmliche Lagerhäuser, weil sie nicht die gleichen Sicherheitsanforderungen erfüllen müssen wie große Lagerhäuser.

    Der Fokus: schnelle Auftragsabwicklung. Manuelle Prozesse sind zu minimieren. Mobile Roboter, Lagertechnik mit hohen Automatisierungsgrad kommen im gesamten Prozess zum Einsatz. 

    Was gehört zum Micro-Fulfillment?

    In erster Linie benötigt man geeignete Räumlichkeiten, die als Lager dienen oder Lagerfunktionen übernehmen. Die Bestände dieser Läger müssen dann in ein übergeordnetes System (ERP, WWS, OMS) integriert werden, um Online-Bestellungen entsprechend erfüllen zu können. Ebenso muss der Versand entsprechend organisiert sein, mit klassischen KEP-Dienstleistern oder lokalen Transportunternehmen/Kurierdienstleistern. Die Automatisierung bestimmter Prozessschritte und Abläufe muss auch anders gelöst werden als in einem klassischen großen Fulfillment-Center. Aus diesen unterschiedlichen Prozessherausforderungen lassen sich drei Typen an Microfullfilment ableiten:

    • Klassisches Fulfillment aus urbanen Raum heraus: ein typisches Lager mit herkömmlichen Funktionalitäten, allerdings in urbaner Umgebung und in deutlich kleinerer Ausführung (weit unter einer Fläche von 2000 m²).
    • Stationäres Fullfillment (Ship from store): Stationäre Ladengeschäfte eingebunden in das Fulfillment von etwa Online-Shops beziehungsweise -Marktplätzen, wo Bestellungen getätigt und zur kundennahen Erfüllung an die Läden weitergegeben werden (eben das eingangs vorgestellte Amazon Today Programm) 
    • Quick Commerce / Quick Fulfillment: Auch ultra-schnelle Lieferung genannt; wird vor allem bei Lebensmitteln sowie Medikamenten eingesetzt. Bei diesem Typ besitzen und kontrollieren die Anbieter die gesamte Prozess- und Lieferkette. Dazu können Immobilien, Software und eine Kurierflotte gehören, also von der Lagerhaltung und (Weiter-)Verarbeitung bis zur eigentlichen Lieferung eine ideale Lösung. 
  • Ungewissheit und Gewinnwarnungen im globalen Einzelhandel und E-Commerce

    Der weltweite Einzelhandels- und E-Commerce-Sektor sieht sich mit einer Reihe von Gegenwindfaktoren konfrontiert, von der durch die zunehmenden Handelsspannungen verursachten Unsicherheit bis hin zur Verlangsamung des Wachstums im E-Commerce. Erst geben große Einzelhändler Gewinnwarnungen heraus, die darauf hindeuten, dass die Lage schlimmer sein könnte als erwartet. Walmart zum Beispiel schockierte die Märkte mit der Ankündigung, dass seine Gewinne aufgrund von Faktoren wie Inflation und Wachstum des Online-Handels geringer ausfallen werden als erwartet. Dann wieder gibt es Ausblicke von Unternehmen wie „About You“, die den Abschwung nur als mittelfristiges Intermezzo interpretieren. Dies ist nur das jüngste Anzeichen dafür, dass der Einzelhandelssektor die Auswirkungen einer schwächelnden Wirtschaft zu spüren bekommt und die Prognose von hoher Unsicherheit geprägt ist.

    Während sich die Einzelhändler auf einen wirtschaftlichen Abschwung vorbereiten, sind die Beschäftigten im E-Commerce besorgt, dass Entlassungen bevorstehen könnten. Angesichts der wachsenden wirtschaftlichen Unsicherheit zögern viele Unternehmen, in neue Projekte zu investieren oder neue Mitarbeiter einzustellen.

    Uneinheitliches Bild macht Experten bei Prognosen zu schaffen

    Es ist noch zu früh, um zu sagen, wie schwerwiegend die Auswirkungen der Konjunkturabschwächung im Einzelhandel sein werden, aber es ist klar, dass Unternehmen und Verbraucher zunehmend besorgt über den Zustand der Wirtschaft sind. Angesichts der Gewinnwarnungen großer Einzelhändler und der Tatsache, dass Beschäftigte im E-Commerce mit Arbeitsplatzverlusten rechnen müssen, stehen dem globalen Einzelhandel einige schwierige Monate bevor.

    Juli 2022: Gewinnwarnung von Walmart – schwacher Ausblick von Zalando

    Im Juli 2022 senkte Walmart seine Gewinnprognosen für das zweite Quartal und das laufende Jahr aufgrund der Auswirkungen der Inflation auf die Kaufgewohnheiten der Kunden. Das Unternehmen führte Bedenken über einen möglichen wirtschaftlichen Abschwung an und warnte, dass Entlassungen im E-Commerce-Sektor bevorstehen könnten. Gerade der Mode-Bereich bei Walmart war laut Aussage von Walmarkt CEO Doug McMillon besonders unter Druck geraten.

    Zalando hatte im Juli seine Erwartungen für 2022 deutlich nach unten korrigiert und rechnete nur noch mit 10,5 Mrd Euro Umsatz für 2022 (statt zuvor 12 Mrd Euro). Die GMV-Erwartungen hat Zalando von 17 Mrd. Euro auf 15 Mrd. Euro reduziert.

    Direkter Konkurrent About You war dabei zeitgleich weniger pessimistisch: Das Unternehmen bekräftigte seinen Ausblick für 2022 und sprach von robustem Umsatzwachstum.

    August 2022: Bei Walmart war dann doch alles nur halb so schlimm?

    Die jüngste Ankündigung von Walmart, dass sein Umsatz im zweiten Quartal trotz der Angst vor einer inflationsbedingten Veränderungen im Verbraucherverhalten um 8,4 % gestiegen ist, ist eine gute Nachricht für den globalen Einzelhandelssektor.

    Zeichen für einen weiteren Abschwung im globalen Einzelhandel & E-Commerce

    Auch wenn die Prognose schwerfällt, sehen einige Branchenbeobachter Zeichen für eine Verschärfung des Abschwungs in der Handelsbranche:

    Der E-Commerce-Umsatz stagniert, nachdem er in den Jahren 2020 und 2021 stark angestiegen war. Und obwohl sich die Besucherzahlen im Einzelhandel von den Tiefstständen der Pandemie erholt haben, liegen sie immer noch unter dem Niveau vor der Pandemie. Jahrelange Trends, darunter der Niedergang der Kaufhäuser wie Kaufhof / Karstadt, zeigen keine Anzeichen für eine Umkehr. Trotz der gesunden Verbrauchernachfrage könnten sich die Unternehmen auf einen wirtschaftlichen Abschwung einstellen.

    Im Zuge der Umstellung des Einzelhandels vom stationären auf den Online-Handel werden in den kommenden Monaten viele Arbeitsplätze wegfallen. Dazu gehören auch Entlassungen, die aufgrund der wachsenden wirtschaftlichen Unsicherheit drohen. Einige dieser Stellen können jedoch an anderer Stelle innerhalb des Unternehmens (eben dem E-Commerce) oder in anderen Bereichen wie Nachhaltigkeit, Technologie oder Logistik besetzt werden.

    Zeichen für eine weiterhin positive Wachstumsperspektive

    Aber man kann es auch alles wesentlich positiver sehen:

    Niemand hat damit gerechnet, dass der Online-Shopping-Boom der Pandemie ewig anhalten würde, aber die schnelle Rückkehr zum Normalzustand vor der Pandemie hat viele in der Branche überrascht. Was oft vergessen wird: Der Trend vor der Pandemie bei der E-Commerce jedes Jahr ein paar Prozentpunkte mehr der Verbraucherausgaben für sich beansprucht, war jahrelang sehr stabil und wird es auch wieder sein. Viele Einzelhändler sind auch in einer besseren Position, um aus diesem geordneten Übergang Kapital zu schlagen. 

    Der pandemische Schock in der Lieferkette löst sich langsam auf. Der lange logistische Albtraum der Modebranche könnte bald ein Ende haben. Die Schifffahrtskosten sinken zusammen mit den Treibstoffpreisen. Aber wenn sich der Trend fortsetzt, wäre das ein Wendepunkt für die Einzelhändler, die dann besser vorhersagen können, wann die Ware eintrifft und was es kostet, sie von den Fabriken in die Läden und Lagerhäuser zu bringen.

  • Amazon Prime als Best-in-Class Beispiel für Online-Kundenbindung

    Online-Kundenbindung (neudeutsch: Loyalty) rückt immer mehr in den Fokus von E-Commerce Entscheidern. Durch Online-Kundenbindung lässt sich die Stammkundenquote erhöhen und so die Abhängigkeit von teuer eingekauftem Traffic reduzieren. Amazon gehört mit seinem Prime-Programm zu den viel zitierten Beispielen für solche Kundenbindungsmaßnahmen im E-Commerce.

    Hintergrundzahlen zu Amazon Prime

    Analysen und Zahlen zum Erfolg von Amazon Prime sind schwer zu bekommen; in dieser Analyse aus 2009 finden sich einige spannende Zahlen:

    • Die Prime-Abonnenten-Zahlen wachsen jährlich um 24%
    • Der Jahresumsatz je Prime-Kunde stieg von 400 Dollar auf 900 Dollar
    • Prime-Kunden geben im Schnitt 130% mehr aus als der Durchschnitts-Amazon-Kunde
    • 92% der Amazon Prime-Kunden planen ihre Mitgliedschaft zu verlängern

    Die Marktforscher von eResult ergänzen durch ihre Befragung:

    • 75% der Befragten bevorzugen Amazon aufgrund Prime gegenüber anderen Online-Shops
    • 47% kaufen online mehr, seit sie Prime-Kunden sind
    • Sogar 19% verzichten durch Prime auf Preisvergleiche online und kaufen direkt bei Amazon

    Positive Einkaufserlebnisse durch Prime als Marketinginstrument

    Amazon investiert somit somit sein Geld vor allem in das wahrgenommene Kundenerlebnis durch Liefergeschwindigkeit und Fulfillment (nach Schätzungen bis zu 2,5 Milliarden US-Dollar pro Jahr). Ganz nach dem Motto: Service und positive Einkaufserlebnisse sind das beste Marketing. Amazon Prime geht dabei über ein reines Kundenbindungs-Tool hinaus: Prime ist ein „disruptiver Service“, der nicht nur für den stationären Handel eine Bedrohung darstellt, sondern auch für Google: „Dass Amazon-Prime-Kunden nur noch dann bei Google suchen, wenn sie die gewünschten Produkte bei Amazon nicht finden, werde für Google zunehmend zum Problem.“