Temu verliert ein Drittel Umsatz – aber deutsche Online-Shops profitieren davon gar nicht

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Die China-Plattformen brechen ein, und niemand profitiert davon. Der bevh hat am 9. Oktober seine Verbraucherbefragung für das dritte Quartal 2026 veröffentlicht: Die Erlöse von Shein, Temu und AliExpress in Deutschland sanken um 35,5 Prozent auf 566 Millionen Euro.

Der Gesamtmarkt wuchs im selben Zeitraum nur um 2,9 Prozent auf rund 18,5 Milliarden Euro (inklusive Umsatzsteuer, nicht inflationsbereinigt). Die Inflationsrate lag im September bei 3,3 Prozent. Real schrumpft der deutsche Onlinehandel also – im ersten Quartal mit voller Wirkung der weggefallenen Zollfreigrenze.

Warum das für dich relevant ist

Das Geld, das Temu verliert, landet nicht bei dir. bevh-Sprecher Martin Mulyk sagt es ausdrücklich: „Das rasante Wachstum von Temu und Shein in Deutschland ist ins Stocken geraten. Damit sinken auch die Umsätze im Gesamtmarkt, ohne dass hiesige Anbieter von der Schwäche asiatischer Wettbewerber profitieren konnten.“

Das ist die eigentliche Nachricht. Die Zollreform nimmt den Fernost-Plattformen Umsatz – sie gibt ihn deutschen Händlern aber nicht weiter. Wer seine Käufe bei Temu eingestellt hat, kauft nicht stattdessen woanders, sondern kauft weniger.

Für die Q4-Planung heißt das: Wer ein Temu-Vakuum eingepreist hat, rechnet falsch. Zur Einordnung der Größenordnung – aus den beiden bevh-Werten ergibt eine Überschlagsrechnung einen Anteil der drei Plattformen von rund drei Prozent am Quartalsumsatz. Das ist eine eigene Rechnung, keine Verbandsangabe. Selbst wenn dieser Umsatz vollständig umverteilt würde, trüge er den Markt nicht.

Die Details

Schuhe und Bekleidung wachsen überdurchschnittlich. Das ist die Warengruppe, in der Shein und Temu am stärksten angreifen – hier zeigt die neue Zolllage am ehesten Wirkung zugunsten etablierter Anbieter. Exakte Prozentwerte je Warengruppe nennt der Verband in den vorliegenden Auszügen nicht.

Dem bevh reicht der Zolleffekt nicht: „Um für fairen Wettbewerb zu sorgen, muss die EU die Marktüberwachungsbehörden stärken und bestehendes Recht durchsetzen.“ Die kompletten Quartalszahlen liegen beim Verband.

Was kommt als Nächstes

Am 1. November kommt die nächste Belastung. Die EU erhebt dann eine Bearbeitungsgebühr auf jede aus Drittstaaten importierte Onlinebestellung – mitten im Weihnachtsgeschäft und auf jedes Paket.

Das verschärft den Effekt, den Q3 bereits zeigt: Fernost-Bestellungen werden teurer, Käufer sparen. Dass sie das gesparte Geld in deutschen Shops ausgeben, hat das dritte Quartal nicht belegt.

Für dich als Entscheider bedeutet das: Streiche das Temu-Vakuum aus der Q4-Prognose. Der Markt wächst nominal um 2,9 Prozent und real gar nicht – deine Planung muss aus Marktanteil kommen, nicht aus Marktwachstum. Prüfe, wo du in Schuhen und Bekleidung tatsächlich Kunden von den Fernost-Plattformen übernimmst, und stütze das mit Daten statt mit Annahmen. Und kalkuliere die EU-Bearbeitungsgebühr ab 1. November in jede Importkette ein, die du selbst betreibst.

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