Schlagwort: Fulfillment

  • Österreich kassiert 2 Euro pro Paket – Zalando klagt

    Österreich besteuert seit dem 1. Oktober 2026 jedes zugestellte Paket mit 2 Euro netto. Für Kunden landen daraus in der Regel 2,40 Euro brutto auf der Rechnung.

    Die Steuer trifft nur Versandhändler mit mehr als 100 Millionen Euro Versandhandelsumsatz in Österreich im vorangegangenen Wirtschaftsjahr. Das sind rund 15 bis 16 Anbieter — neben Amazon, Temu, Shein, AliExpress, eBay, Apple, Ikea und XXXLutz auch die deutschen Händler Otto, Zalando, MediaMarkt, BestSecret und Shop Apotheke, wie etailment berichtet.

    Zalando wehrt sich gerichtlich. Der Händler hat nach eigenen Angaben am 20. August 2026 Klage beim österreichischen Verfassungsgerichtshof eingereicht. Amazon meldet Bedenken zur Verfassungsmäßigkeit und zur Vereinbarkeit mit dem EU-Binnenmarkt an. Otto-Österreich-Chef Harald Gutschi erwartet bis zu zehn klagende Händler.

    Warum das für dich relevant ist

    Das ist kein Österreich-Thema, sondern ein Präzedenzfall. Ein EU-Mitgliedstaat besteuert Zustellungen national, gestaffelt nach Umsatzschwelle — und die Hauptbetroffenen sitzen in Deutschland. Das Finanzministerium kalkuliert mit 280 Millionen Euro Aufkommen pro Jahr und finanziert damit die Mehrwertsteuersenkung auf Grundnahrungsmittel gegen.

    Wer knapp unter der Schwelle von 100 Millionen Euro Österreich-Umsatz liegt, hat erstmals einen betriebswirtschaftlichen Grund, Wachstum in einem Markt zu modellieren statt es einfach mitzunehmen. Ein Umsatzsprung über die Grenze zieht eine Abgabe auf jedes einzelne Paket nach sich.

    Zwei operative Folgen

    • Paket oder Bestellung — das Gesetz lässt die Wahl, ob pro zugestelltem Paket oder pro Bestellung besteuert wird. Damit wird Bündelung im Fulfillment zur Steuerfrage: Wer eine Bestellung in drei Teillieferungen splittet, zahlt möglicherweise dreifach.
    • Retouren bringen nichts zurück — die Steuerpflicht bleibt bestehen, wenn der Kunde nach erfolgreicher Zustellung zurückschickt. Die Ware kommt ins Lager, die 2 Euro bleiben weg. In retourenstarken Sortimenten wie Mode summiert sich das.

    Belastbare Prognosen zum Umsatzeffekt gibt es bisher nicht. Was es gibt, sind Preisschilder: Händler weisen die 2,40 Euro offen aus, die Kritik an der Abgabe hält an.

    Der Blick nach vorn

    Entscheidend wird, ob der Verfassungsgerichtshof die Schwellenlogik hält. Fällt die Steuer, war es eine teure Übung. Hält sie, hat ein EU-Staat vorgemacht, wie sich grenzüberschreitender Versandhandel national abschöpfen lässt — und andere Finanzminister schauen zu.

    Für dich als Entscheider bedeutet das: Prüfe zuerst, ob dein Österreich-Umsatz nahe an den 100 Millionen Euro liegt — die Schwelle ist jetzt eine Planungsgröße. Liegst du darüber, entscheide bewusst zwischen Besteuerung pro Paket und pro Bestellung und rechne die Bündelungslogik im Fulfillment durch. Kalkuliere die Steuer auf Retouren ein, sie fällt trotzdem an. Und behandle Österreich als Blaupause: Wer heute Preis- und Versandlogik so baut, dass eine nationale Zustellabgabe sauber durchgereicht werden kann, muss sie beim nächsten Mal nicht neu erfinden.

  • Sheins Europa-Umsatz bricht 14 Prozent ein: Was das über deine Preise sagt

    Shein hat die Zollkosten an die Kunden weitergegeben und dafür in Europa ein Siebtel des Quartalsumsatzes verloren. Der Europa-Umsatz fiel um 13,9 Prozent, nachdem der Konzern vor dem Wegfall der 150-Euro-Zollfreigrenze die Preise angehoben hatte.

    Die Zahl stammt aus dem ersten Zwischenbericht seit dem Börsengang vom 1. September, vorgelegt am 29. September. Das operative Ergebnis im ersten Halbjahr sank um 52,9 Prozent auf 493 Millionen Dollar, der bereinigte Nettogewinn um 55,6 Prozent auf 499 Millionen Dollar.

    Die Zahlen sprechen eine klare Sprache

    • Nettoumsatz 20,13 Milliarden Dollar im Halbjahr nach 19,94 Milliarden im Vorjahr — ein Plus von einem Prozent
    • Bestellungen plus 6,4 Prozent auf 549 Millionen, aktive Kunden von 254 auf 291 Millionen
    • Produktumsätze im zweiten Quartal minus 3,4 Prozent auf 9,68 Milliarden Dollar

    Mehr Kunden, mehr Bestellungen, kaum mehr Umsatz: Der durchschnittliche Bestellwert und die Kauffrequenz fallen schneller, als die Kundenzahl wächst. Shein kauft Volumen ein, das die Gewinn- und Verlustrechnung nicht mehr trägt. Die Details stehen im Bericht zum halbierten Gewinn.

    Warum das für deine Kalkulation relevant ist

    Das ist die erste belastbare Zahl zur Preiselastizität nach dem Ende der Zollfreigrenze. Wer den Zoll an den Kunden durchreicht, zahlt mit Volumen — bei Shein mit knapp 14 Prozent im wichtigsten Auslandsmarkt. Wer ihn schluckt, zahlt mit Marge. Eine dritte Option gibt es nicht.

    Dazu kommt der zweite Kostenblock, der parallel drückt. Der Fulfillment-Anteil am Nettoumsatz — also Lagerung, Kommissionierung und Zustellung — stieg laut Börsenprospekt von 42,1 Prozent (2023) über 43,5 und 45,6 Prozent auf 47,7 Prozent im ersten Quartal 2026.

    Diese 5,6 Prozentpunkte in drei Jahren entsprechen auf ein Halbjahr von 20 Milliarden Dollar gerechnet gut 1,1 Milliarden Dollar Zusatzkosten. Das Ergebnis: Im ersten Quartal 2026 stand ein Nettoverlust von 99 Millionen Dollar, nach 395 Millionen Dollar Gewinn im Vorjahresquartal.

    Der Blick nach vorn

    Für europäische Händler schrumpft die Preislücke. Der Vorsprung von Fast-Fashion-Importeuren beruhte auf der Zollfreigrenze, nicht auf besserer Kostenstruktur. Fällt die Freigrenze, fällt ein Teil des Vorsprungs — und Shein selbst zeigt, wie schnell die Nachfrage reagiert, wenn der Aufschlag im Preisschild landet.

    Gleichzeitig ist die Zahl eine Warnung an jeden, der gerade die eigene Kalkulation nachzieht. Zoll und Logistik drücken gleichzeitig. Wer beides in einem Schritt weitergibt, riskiert denselben Nachfrageeinbruch — nur ohne Sheins Kundenbasis von 291 Millionen, die den Rückgang abfedert.

    Für dich als Entscheider bedeutet das: Rechne die Zollweitergabe nicht als reine Preisfrage, sondern als Volumenrisiko durch — 14 Prozent Umsatzrückgang sind der Referenzwert, den der größte Testfall gerade geliefert hat. Staffele Preisanpassungen über Sortimentsgruppen statt pauschal, prüfe vorher die Fulfillment-Kosten je Bestellung, und behalte im Blick, dass der Wettbewerbsvorteil der Importplattformen gerade kleiner wird. Wer jetzt Volumen hält statt Marge, kauft sich denselben Effekt ein, der Sheins Gewinn halbiert hat.

  • Amazon steuert bald deine eBay-Verkäufe: Was der Gratis-Hub kostet

    Amazon holt die Bestellungen der Konkurrenz ins eigene Backend. Auf der Händlerkonferenz Accelerate in Seattle kündigte Amazon am 24. September Multichannel Selling Tools an: Händler verbinden ihre Konten bei eBay, Shopify, TikTok Shop und Walmart und sehen alle offenen Bestellungen auf einem Screen.

    Kosten: keine. Eine Shopify-Bestellung lässt sich per Klick an Amazon zur Abwicklung geben, das Tracking fließt automatisch zurück. Technisch steckt dahinter die 2021 gekaufte Versandsoftware Veeqo, die Amazon heute gratis anbietet. GeekWire nennt Mary Beth Westmoreland, VP Worldwide Selling Partner Experience, als Sprecherin.

    Warum das für dich relevant ist

    Der Gratis-Hub bezahlt sich mit Daten. Wer seine eBay- und Shopify-Bestellungen in Amazons Oberfläche zieht, gibt Amazon Sicht auf Nachfrage, Marge und Sortiment beim Wettbewerb — genau die Information, die bisher der einzige strukturelle Vorteil eines eigenen Multichannel-Setups war.

    Die Abhängigkeit ist ohnehin groß. Amazon gibt an, über 95 Prozent seiner Händler verkaufen auf mehreren Kanälen. Laut dem Marketplace Pulse 2026 Seller Index machen 71 Prozent der Amazon-zentrierten Händler mit Zweitkanal trotzdem drei Viertel oder mehr ihres Marktplatzumsatzes bei Amazon.

    Ein Fulfillment-Auftrag aus Walmart ist am Ende Amazon-Umsatz mit Walmarts Kunden. Das ist die operative Kehrseite der Agenten-Debatte: Nicht nur KI-Agenten, auch Marktplätze kämpfen um die Hoheit über Produkt- und Transaktionsdaten.

    Der Blick nach vorn

    Für DACH gibt es bisher kein Datum. Der Rollout läuft schrittweise an US-Händler, ein Start in Deutschland oder der EU ist nicht belegt. Genau diese Vorlaufzeit ist das Entscheidungsfenster: Wer heute ChannelAdvisor, plentymarkets oder Veeqo im Einsatz hat, sollte jetzt festlegen, welche Daten künftig wo liegen dürfen.

    Für dich als Entscheider bedeutet das: Prüfe, welches System bei dir die Hoheit über Bestell- und Margendaten hält — und entscheide vor einem möglichen EU-Start, ob du sie Amazon offenlegst. Ein kostenloses Tool, das den Umsatz beim Wettbewerb sichtbar macht, ist kein Geschenk, sondern ein Tausch.

  • Kostensenkung im E-Commerce: Selektive Stärkung statt Kahlschlag

    Laut unserer Erfahrung haben 80 % aller E-Commerce Unternehmen als Reaktion auf die E-Commerce Krise ihre Ausgaben gekürzt. Nur die Hälfte der Entscheider gehen davon aus, dass Kostensenkungen ihrem Unternehmen während der Rezession tatsächlich zugutekommen. Trotzdem kürzen die Konzerne weiter. Eine Kürzung der Ausgaben funktioniert kurzfristig in der Regel gut; schließlich möchte jede Führungskraft, dass ihre Firma überlebt (Übersicht zu Insolvenzen im E-Commerce).  

    Eine solche Strategie ist jedoch auf lange Sicht nicht klug. Die Krise sollte dazu führen, dass bestimmte Bereiche des Unternehmens selektiv gestärkt werden, während andere gekürzt werden. Zum Beispiel muss jedes E-Commerce Unternehmen weiter in Technologie investieren. Auch die Operations sollten die Online-Shops stärken, da diese häufig unterhalb des Branchenstandards agieren. Dadurch werden wichtige Kunden eher verprellt als angelockt. 

    Kosteneinsparung nutzen, um strategische Bereiche selektiv zu stärken

    Unternehmen sollten jede Restrukturierung mit der Frage beginnen, ob sie die Wertschöpfungskette so umstrukturieren könnten, dass es die aktuellen Marktbedingungen besser ausnutzt. Wenn das Unternehmen Geld verliert, weil es Produkte verkauft, die die Verbraucher nicht mehr ansprechen, kann es diese Produkte möglicherweise Stück für Stück aus dem Sortiment nehmen und dadurch den Deckungsbeitrag steigern. 

    Oder wenn das Unternehmen Probleme hat, weil es nicht effektiv mit Logistik oder Customer Care konkurrieren kann, kann es möglicherweise die Ausgaben reduzieren, indem es diese Einrichtungen schließt und diese fremdvergibt (Kostensenkung im E-Commerce durch Make-or-Buy Entscheidungen). Ansonsten sollten Unternehmen überlegen, wie sie unter zukünftigen wirtschaftlichen Umständen abschneiden würden. Wenn etwa die Zinssätze dramatisch steigen, könnte ein Unternehmen, das in den letzten zehn Jahren hohe Kredite aufgenommen hat, möglicherweise nicht mehr in der Lage sein, seine Schulden zurückzuzahlen. Hier sollte mit einem proaktiven Risikomanagement frühzeitig gegengesteuert werden.

    Insights aus einem E-Commerce Kostensenkungsprogramm

    Um die Gemeinkosten zu reduzieren, haben wir die Bereiche analysiert, in denen der Online-Shop Geld ausgibt, und Möglichkeiten gefunden, Geld zu sparen. Dazu haben wir die Größe des Personals in Verwaltung und Personalplanung reduziert und unnötige Stellen gestrichen. Wir haben auch überlegt, ob wir bestimmte Jobs auf Telearbeiter oder Vertragsdienstleister verlagern sollten, anstatt Vollzeitkräfte einzustellen. Weiterhin haben wir die Lieferketten- und Logistiksysteme überprüft, um zu sehen, welche Verbesserungen wir vornehmen könnten, um die Lieferzeiten zu verkürzen und die Kundenzufriedenheit zu erhöhen. Ein Schlüsselkonzept hier ist ein stärker datengetriebener Forecast-Prozess, der die Forecast-Genauigkeit deutlich erhöht hat und unnötige Personalbereitstellung zu Peaks und Wochenend-Schichten um 25 % reduzieren konnte. Schließlich haben wir die Wirksamkeit der Marketingkampagnen untersucht und einen stärkeren Shift zu Online-Performance Kampagnen sichergestellt. Diese Änderungen führten zu erheblichen Reduzierungen der Betriebskosten.

    Intelligente Kostensenkung im E-Commerce

    Intelligente Kostensenkung bedeutet nicht zwangsläufig, das gesamte Ausmaß der Einsparungen zu reduzieren. Indem der Schwerpunkt jedoch weg von der Organisationsstruktur hin zu aktuellen und zukünftigen strategischen Zielen verlagert wird, ermöglicht es klügere Einsparungen. 

  • Amazon Today mit Ship-From-Store und wie sich diese zu Micro-Fulfillment entwickeln könnte 

    Amazons neuester Vorstoß besteht darin, dass Prime-Mitglieder Produkte aus den Geschäften einiger ihrer Lieblingsmarken in der Amazon-App und auf Amazon.com zu kaufen und sich ihre Einkäufe noch am selben Tag nach Hause liefern zu lassen – und das alles mit nur einem Mausklick. 

    Amazon Today Ship from Store Micro-Fulfillment-Center

    Prime-Mitglieder in 10 ausgewählten US-Ballungszentren besuchen einfach die Amazon-App oder Amazon.com, durchsuchen die kuratierte Auswahl von Einzelhandelsgeschäften in ihrer Umgebung und wählen Same-Day Delivery. Amazon sendet die Bestellung an das Geschäft, der Mitarbeiter des Retailers führt sie aus dem Bestand des Geschäfts aus und ein Amazon-Zustellpartner holt die Bestellung im Store ab und liefert sie noch am selben Tag an den Kunden aus.

    Next Level: Konsolidierung über Micro Fulfillment Center durch Amazon 

    Amazon hat sicher verstanden, dass der oben beschriebene Prozess ineffizient und kostspielig ist. Deswegen wird Amazon vielleicht schon bald die nächste Stufe zünden: Einzelhändler davon überzeugen, ihr bestverkauftes Inventar in Amazons automatisierten Micro Fulfillment Center (MFC) zu lagern. Erste Signale lassen vermuten, dass der Ausbau von Micro-Fulfillment das nächste große Ding bei Amazon sein kann (z.B. sucht Amazon Robotics explizit Spezialisten mit dem Profil „Amazon Robotics seeks a customer obsessed and innovative Senior Electrical Engineer to lead the designs for our next generation fulfillment solutions enabling ultra-fast delivery from small footprint sites“). 

    Anstatt einen Mitarbeiter in einem Ladengeschäft mit der Ausführung einer Bestellung zu beauftragen und auf einen Fahrer zu warten, könnte Amazon sein Netzwerk von automatisierten MFCs nutzen, um Produkte aus Dutzenden von Kategorien, darunter Waren des täglichen Bedarfs, Lebensmittel, Schönheitsprodukte, Haustiere, Spielzeug, Elektronik und Bekleidung, innerhalb von Minuten auszuführen.

    Amazon könnte die Einzelhandelsgeschäfte mit Micro Fulfillment Center verdrängen, weil es ein besseres Modell ist. Walmart versucht sich bereits dafür zu wappnen. Auch Target hat die Parole „Store to Hubs“ ausgerufen und prüft MFC. 

    Warum ist eine Micro-Fulfillment-Lösung allgemein für E-Commerce Entscheider relevant?

    Hinter den MFC stehen zwei langfristige Trends, die auch für andere E-Commerce-Geschäfte genutzt werden können:

    • MFC nutzen massiv Automatisierungslösungen für logistische Kernprozesse, insbesondere Pick & Pack. Viele E-Commerce Operations Verantwortliche unterschätzen noch das Potenzial dieser Technologie-Lösungen wie Autostore etc. – zuletzt hat Arvato Supply Chain Solutions ein ebensolches System implementiert, obwohl sie das wahrscheinlich jahrelang abmoderiert, haben, mit dem Hinweis auf eingeschwungene Prozesse mit menschlichen Mitarbeitern.  
    • Die große Richtungsentscheidung zwischen „Speed vs. Flexibilität“ auf der Last-Mile haben die KundenInnen klar entschieden: schnellere Lieferungen sind entscheidend. Quick Commerce, Gorilla & Co lassen grüßen! Auch jeder Online-Shop Betreiber sollte sich überlegen, wie er mit seinen Bordmitteln und Carriern eine „Express-Option“ für seine Kunden anbieten kann. 

    Was bedeutet eigentlich „Micro-Fulfillment“?

    Micro-Fulfillment bezieht sich hauptsächlich auf die Entwicklung kleinerer Fulfillment-Center, komprimiert auf kleinstem Raum mitten in der Stadt. Micro-Fulfillment umfasst die üblichen Funktionen wie Lagern, Sortieren, Kommissionierung (mit und ohne Behälter), Verpacken, Etikettieren und Vorbereitung zur Auslieferung von Online-Bestellungen. In den letzten Jahren hat es eine deutliche Verschiebung hin zum Einsatz automatisierter Systeme gegeben. Dazu gehört die Automatisierung der gesamten Prozesskette, einschließlich der Warehouse-Logistics und Supply Chain. Ziel sind blitzschnelle Lieferungen auf Basis einer vollautomatischen Lösung. 

    Der Begriff MFC wird oft synonym mit „letzte Meile“ verwendet. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass der Schwerpunkt hier vor allem auf dem letzten Schritt der Lieferkette kurz vor Übergabe an den Last-Mile-Carrier liegt. 

    Abgrenzung zwischen Fulfillment und Microfulfillment

    Micro-Fulfillment (auch Micro-Fulfillment-Lösung genannt) wird oft mit Fulfillment verwechselt, da sich beide Begriffe auf Logistik und Lagerhaltung beziehen. Beim Micro Fulfillment Center werden jedoch keine großen Lagerkapazitäten benötigt. Vielmehr setzt Micro-Fulfillment aus Lagerräume, die wesentlich kleiner sind als in der Logistik. Sie sind in der Regel zwischen 50 und 1.000 Quadratmeter groß. Sie sind auch billiger als herkömmliche Lagerhäuser, weil sie nicht die gleichen Sicherheitsanforderungen erfüllen müssen wie große Lagerhäuser.

    Der Fokus: schnelle Auftragsabwicklung. Manuelle Prozesse sind zu minimieren. Mobile Roboter, Lagertechnik mit hohen Automatisierungsgrad kommen im gesamten Prozess zum Einsatz. 

    Was gehört zum Micro-Fulfillment?

    In erster Linie benötigt man geeignete Räumlichkeiten, die als Lager dienen oder Lagerfunktionen übernehmen. Die Bestände dieser Läger müssen dann in ein übergeordnetes System (ERP, WWS, OMS) integriert werden, um Online-Bestellungen entsprechend erfüllen zu können. Ebenso muss der Versand entsprechend organisiert sein, mit klassischen KEP-Dienstleistern oder lokalen Transportunternehmen/Kurierdienstleistern. Die Automatisierung bestimmter Prozessschritte und Abläufe muss auch anders gelöst werden als in einem klassischen großen Fulfillment-Center. Aus diesen unterschiedlichen Prozessherausforderungen lassen sich drei Typen an Microfullfilment ableiten:

    • Klassisches Fulfillment aus urbanen Raum heraus: ein typisches Lager mit herkömmlichen Funktionalitäten, allerdings in urbaner Umgebung und in deutlich kleinerer Ausführung (weit unter einer Fläche von 2000 m²).
    • Stationäres Fullfillment (Ship from store): Stationäre Ladengeschäfte eingebunden in das Fulfillment von etwa Online-Shops beziehungsweise -Marktplätzen, wo Bestellungen getätigt und zur kundennahen Erfüllung an die Läden weitergegeben werden (eben das eingangs vorgestellte Amazon Today Programm) 
    • Quick Commerce / Quick Fulfillment: Auch ultra-schnelle Lieferung genannt; wird vor allem bei Lebensmitteln sowie Medikamenten eingesetzt. Bei diesem Typ besitzen und kontrollieren die Anbieter die gesamte Prozess- und Lieferkette. Dazu können Immobilien, Software und eine Kurierflotte gehören, also von der Lagerhaltung und (Weiter-)Verarbeitung bis zur eigentlichen Lieferung eine ideale Lösung. 
  • Ungewissheit und Gewinnwarnungen im globalen Einzelhandel und E-Commerce

    Der weltweite Einzelhandels- und E-Commerce-Sektor sieht sich mit einer Reihe von Gegenwindfaktoren konfrontiert, von der durch die zunehmenden Handelsspannungen verursachten Unsicherheit bis hin zur Verlangsamung des Wachstums im E-Commerce. Erst geben große Einzelhändler Gewinnwarnungen heraus, die darauf hindeuten, dass die Lage schlimmer sein könnte als erwartet. Walmart zum Beispiel schockierte die Märkte mit der Ankündigung, dass seine Gewinne aufgrund von Faktoren wie Inflation und Wachstum des Online-Handels geringer ausfallen werden als erwartet. Dann wieder gibt es Ausblicke von Unternehmen wie „About You“, die den Abschwung nur als mittelfristiges Intermezzo interpretieren. Dies ist nur das jüngste Anzeichen dafür, dass der Einzelhandelssektor die Auswirkungen einer schwächelnden Wirtschaft zu spüren bekommt und die Prognose von hoher Unsicherheit geprägt ist.

    Während sich die Einzelhändler auf einen wirtschaftlichen Abschwung vorbereiten, sind die Beschäftigten im E-Commerce besorgt, dass Entlassungen bevorstehen könnten. Angesichts der wachsenden wirtschaftlichen Unsicherheit zögern viele Unternehmen, in neue Projekte zu investieren oder neue Mitarbeiter einzustellen.

    Uneinheitliches Bild macht Experten bei Prognosen zu schaffen

    Es ist noch zu früh, um zu sagen, wie schwerwiegend die Auswirkungen der Konjunkturabschwächung im Einzelhandel sein werden, aber es ist klar, dass Unternehmen und Verbraucher zunehmend besorgt über den Zustand der Wirtschaft sind. Angesichts der Gewinnwarnungen großer Einzelhändler und der Tatsache, dass Beschäftigte im E-Commerce mit Arbeitsplatzverlusten rechnen müssen, stehen dem globalen Einzelhandel einige schwierige Monate bevor.

    Juli 2022: Gewinnwarnung von Walmart – schwacher Ausblick von Zalando

    Im Juli 2022 senkte Walmart seine Gewinnprognosen für das zweite Quartal und das laufende Jahr aufgrund der Auswirkungen der Inflation auf die Kaufgewohnheiten der Kunden. Das Unternehmen führte Bedenken über einen möglichen wirtschaftlichen Abschwung an und warnte, dass Entlassungen im E-Commerce-Sektor bevorstehen könnten. Gerade der Mode-Bereich bei Walmart war laut Aussage von Walmarkt CEO Doug McMillon besonders unter Druck geraten.

    Zalando hatte im Juli seine Erwartungen für 2022 deutlich nach unten korrigiert und rechnete nur noch mit 10,5 Mrd Euro Umsatz für 2022 (statt zuvor 12 Mrd Euro). Die GMV-Erwartungen hat Zalando von 17 Mrd. Euro auf 15 Mrd. Euro reduziert.

    Direkter Konkurrent About You war dabei zeitgleich weniger pessimistisch: Das Unternehmen bekräftigte seinen Ausblick für 2022 und sprach von robustem Umsatzwachstum.

    August 2022: Bei Walmart war dann doch alles nur halb so schlimm?

    Die jüngste Ankündigung von Walmart, dass sein Umsatz im zweiten Quartal trotz der Angst vor einer inflationsbedingten Veränderungen im Verbraucherverhalten um 8,4 % gestiegen ist, ist eine gute Nachricht für den globalen Einzelhandelssektor.

    Zeichen für einen weiteren Abschwung im globalen Einzelhandel & E-Commerce

    Auch wenn die Prognose schwerfällt, sehen einige Branchenbeobachter Zeichen für eine Verschärfung des Abschwungs in der Handelsbranche:

    Der E-Commerce-Umsatz stagniert, nachdem er in den Jahren 2020 und 2021 stark angestiegen war. Und obwohl sich die Besucherzahlen im Einzelhandel von den Tiefstständen der Pandemie erholt haben, liegen sie immer noch unter dem Niveau vor der Pandemie. Jahrelange Trends, darunter der Niedergang der Kaufhäuser wie Kaufhof / Karstadt, zeigen keine Anzeichen für eine Umkehr. Trotz der gesunden Verbrauchernachfrage könnten sich die Unternehmen auf einen wirtschaftlichen Abschwung einstellen.

    Im Zuge der Umstellung des Einzelhandels vom stationären auf den Online-Handel werden in den kommenden Monaten viele Arbeitsplätze wegfallen. Dazu gehören auch Entlassungen, die aufgrund der wachsenden wirtschaftlichen Unsicherheit drohen. Einige dieser Stellen können jedoch an anderer Stelle innerhalb des Unternehmens (eben dem E-Commerce) oder in anderen Bereichen wie Nachhaltigkeit, Technologie oder Logistik besetzt werden.

    Zeichen für eine weiterhin positive Wachstumsperspektive

    Aber man kann es auch alles wesentlich positiver sehen:

    Niemand hat damit gerechnet, dass der Online-Shopping-Boom der Pandemie ewig anhalten würde, aber die schnelle Rückkehr zum Normalzustand vor der Pandemie hat viele in der Branche überrascht. Was oft vergessen wird: Der Trend vor der Pandemie bei der E-Commerce jedes Jahr ein paar Prozentpunkte mehr der Verbraucherausgaben für sich beansprucht, war jahrelang sehr stabil und wird es auch wieder sein. Viele Einzelhändler sind auch in einer besseren Position, um aus diesem geordneten Übergang Kapital zu schlagen. 

    Der pandemische Schock in der Lieferkette löst sich langsam auf. Der lange logistische Albtraum der Modebranche könnte bald ein Ende haben. Die Schifffahrtskosten sinken zusammen mit den Treibstoffpreisen. Aber wenn sich der Trend fortsetzt, wäre das ein Wendepunkt für die Einzelhändler, die dann besser vorhersagen können, wann die Ware eintrifft und was es kostet, sie von den Fabriken in die Läden und Lagerhäuser zu bringen.