Schlagwort: Payment

  • Ab 20. November zählt der Ratenkauf als Verbraucherkredit

    Zahlungsaufschübe im Checkout werden zum Verbraucherkredit. Ab dem 20. November 2026 gelten für Buy Now, Pay Later in Deutschland dieselben Regeln wie für klassische Verbraucherdarlehen — die Umsetzung der zweiten EU-Verbraucherkreditrichtlinie (CCD2) schließt die bisherigen Lücken.

    Was sich konkret ändert

    Erstmals erfasst sind die Kleinfälle. Kredite bis 200 Euro, zinsfreie Ratenkäufe und Laufzeiten unter drei Monaten fallen künftig unter das Verbraucherdarlehensrecht. Genau das ist der Bereich, in dem Klarna, PayPal und Co. ihr Volumen machen.

    Die Bonitätsprüfung wird aufwendiger. Eine einfache SCHUFA-Abfrage reicht bei höheren Beträgen nicht mehr. Gesundheitsdaten und Daten aus sozialen Netzwerken sind für die Kreditwürdigkeitsprüfung tabu, vollautomatische Entscheidungen ohne menschliche Kontrolle sind unzulässig.

    Österreich zieht am selben Tag nach. Über das neue Verbraucherkreditgesetz gelten dort ab 20. November strengere Regeln auch für Angebote unter 200 Euro; Anbieter und Händler müssen vor Vertragsabschluss die Bonität prüfen.

    Warum das für dich relevant ist

    Du bist möglicherweise selbst Kreditgeber. Händler können nach Einschätzung des Händlerbunds als Kreditgeber oder Kreditvermittler eingeordnet werden und haben dann eigene Pflichten. Wer Klarna oder PayPal im Checkout einbindet, muss die Rollenverteilung im Vertrag prüfen — nicht der Zahlungsanbieter.

    Der Termin liegt denkbar schlecht. Vier Wochen vor dem Weihnachtsgeschäft greifen die neuen Pflichten mitten in die Peak-Vorbereitung. Und sie treffen mit Ratenzahlung eine Standard-Zahlart in DACH, nicht eine Nische. Jede zusätzliche Prüfung im Bezahlvorgang kostet Konversion.

    Der Zahlartenmix kommt auf den Prüfstand. Wenn Anbieter ihre Ablehnungsquoten hochfahren, fällt ein Teil deiner Kunden aus dem gewohnten Bezahlweg — und braucht eine Alternative, die im Checkout sichtbar ist.

    Was jetzt zu tun ist

    • Verträge mit dem BNPL-Anbieter lesen – wer ist Kreditgeber, wer Vermittler, wer haftet für Pflichtangaben?
    • Checkout-Texte und Informationspflichten mit dem Anbieter abstimmen, bevor die Peak-Phase startet.
    • Zweite Zahlart absichern für Kunden, die die strengere Bonitätsprüfung nicht bestehen.

    Für dich als Entscheider bedeutet das: Kläre vor November, welche Rolle dein Shop im Kreditverhältnis einnimmt — Kreditgeber, Vermittler oder keines von beidem. Verlass dich nicht darauf, dass dein Zahlungsanbieter das für dich erledigt; die Pflichten können bei dir landen. Und plane ein, dass der Ratenkauf im Weihnachtsgeschäft weniger durchgeht als gewohnt.

  • Jeder zweite Shop bietet Apple Pay an – kaum ein Kunde zahlt damit

    Apple Pay ist 2026 in 49,0 Prozent der deutschen Onlineshops anklickbar – und trägt 1,3 Prozent des Online-Umsatzes. Das EHI Retail Institute hat den E-Commerce-Report Deutschland 2026 am 29. September auf der EHI Connect in Düsseldorf vorgestellt.

    Die Studie misst Sichtbarkeit im Checkout, nicht Nutzung. Erhoben wurde, was Kunden bei 1.000 der bedeutendsten B2C-Akteure tatsächlich als Zahloption sehen.

    Die Zahlen sprechen eine klare Sprache

    Die Wallets wachsen im Angebot, nicht im Umsatz. Apple Pay sprang von 37,8 auf 49,0 Prozent der Shops, Google Pay von 23,1 auf 32,0 Prozent. PayPal bleibt mit 96,3 Prozent Spitze, Rechnungskauf steht bei 81,7 Prozent.

    Die Gegenprobe kommt vom gleichen Institut. Die EHI-Studie Online-Payment 2026 weist PayPal mit 28,7 und Rechnungskauf mit 26,1 Prozent Umsatzanteil aus – zusammen 54,8 Prozent. Apple Pay: 1,3 Prozent. Zwei Grundgesamtheiten, derselbe Markt, dieselbe Richtung.

    Wero taucht erstmals separat auf: 3,0 Prozent der Shops. Dem stehen 10 Millionen registrierte Nutzer in Deutschland gegenüber. Das EHI nennt als Erhebungszeitraum nur „im Jahr 2026" – ob vor oder nach den Anbindungen von Lidl (Juli) und dm (August) gemessen wurde, bleibt offen. Die 3,0 Prozent sind deshalb kein Urteil über Wero.

    Warum das für dich relevant ist

    Der Marktdurchschnitt ist kein Business Case. Wer aus „49 Prozent bieten Apple Pay an" ableitet, er müsse nachziehen, integriert eine Zahlart mit 1,3 Prozent Marktanteil. Jede Option kostet Integration, Pflege und Checkout-Fläche.

    Der Wallet-Sprung erklärt sich über den Anteil mobiler Bestellungen. Bei überwiegend Desktop-Traffic ist die Zahl für dich belanglos. Die größere Lücke liegt beim Rechnungskauf: Er trägt ein Viertel des Umsatzes – fehlt er, fehlt mehr als eine Wallet.

    Wero läuft über vorhandene Payment-Service-Provider wie PAYONE, Nexi oder VR Payment – also ohne Eigenprojekt. Kontozahlung statt Kartenschiene und Echtzeit-Gutschrift sprechen für eine Prüfung bei hohem Volumen und dünner Marge. Belastbare Gebührenzahlen für den deutschen Markt liegen bislang nicht vor.

    Für dich als Entscheider bedeutet das: Entscheide den Payment-Mix an deinen eigenen Checkout-Daten, nicht am EHI-Durchschnitt. Prüfe zuerst, ob Rechnungskauf und PayPal bei dir reibungslos laufen – dort liegen 54,8 Prozent des Marktumsatzes. Mobile Wallets lohnen sich dort, wo der Mobile-Anteil es rechtfertigt. Wero ist derzeit eine Options-, keine Pflichtentscheidung: Frag deinen PSP nach Konditionen und beobachte, wann die Nutzung in deinen Zahlen sichtbar wird.

  • Ein KI-Agent zieht die erste Lastschrift ein

    Neben der Karte bewirbt sich jetzt das Bankkonto um das delegierte Bezahlen. GoCardless hat nach eigenen Angaben die erste agentische Account-to-Account-Zahlung Großbritanniens abgewickelt: eine wiederkehrende Spende an die Anti-Armuts-Organisation Trussell, komplett im Gespräch mit einem KI-Agenten eingerichtet.

    Der Ablauf laut Anbieter: Der Agent erklärte die Arbeit der Organisation, bot monatliche Beträge von 5, 10 oder 15 Pfund an und erhob anschließend die Bankdaten für ein Direct-Debit-Mandat. Der Spender musste das Gespräch nicht verlassen und kein Formular ausfüllen. Gebaut wurde der Checkout im AI Live Testing der britischen Finanzaufsicht FCA, einem Programm für den beaufsichtigten Einsatz von KI in Finanzdienstleistungen.

    Warum das für dich relevant ist

    Agentisches Bezahlen bekommt eine zweite Infrastruktur. Die bisher sichtbare Variante läuft über Karten und Plattformen — Agenten-Checkouts in Shop-Systemen, Zugangsentscheidungen der Marktplätze. Dieser Vorgang läuft über das Bankkonto.

    Der technische Unterschied liegt in der Kontrollebene. Ein Mandat trägt Betragsgrenze und Widerruf bereits in der Zahlung selbst; bei Karten muss diese Delegationslogik erst darübergelegt werden. Genau darauf zielt GoCardless-CEO Hiroki Takeuchi, wenn er sagt: „Unlike cards, Direct Debit and Recurring Pay by Bank are specifically built for this.“

    Das ist eine Anbieterposition, kein Befund. In der Recherche findet sich kein Vergleich von Rückabwicklungs-, Betrugs- oder Abbruchquoten zwischen Karten- und Mandatsschienen im agentischen Einsatz. Die These ist plausibel und zugleich das Verkaufsargument dessen, der sie äußert.

    Die ehrliche Größenordnung

    Es gibt genau eine öffentlich beschriebene Transaktion. Kein Rollout-Datum, keine Händler-Verfügbarkeit, kein Preis, keine Aussage zur Verfügbarkeit im SEPA-Raum. Auch das „erste“ stammt aus der Mitteilung des Unternehmens vom 22. September und ist von niemandem unabhängig geprüft worden; Teile der Fachpresse formulieren deshalb ausdrücklich distanziert.

    Dazu kommt: Der Fall ist britisch gebaut. Direct Debit, Pay by Bank und die kommerziellen Variable Recurring Payments sind UK-Schienen mit eigener Aufsichtslogik. Was davon in die SEPA-Welt übersetzbar ist, hat bisher niemand gezeigt.

    Der Termin, der zählt

    Erstmals steht ein aufsichtlicher Termin zu agentischem Bezahlen im Kalender. Die FCA-Tests laufen seit April 2026 bis zum Jahresende, die Auswertung ist für das erste Quartal 2027 vorgesehen. Noch 2026 will die Behörde einen Bericht zu guter und schlechter Praxis veröffentlichen — und stützt sich dabei weiter auf bestehendes Recht statt auf KI-Sonderregeln.

    Dieser Bericht ist für Händler wertvoller als jede Pressemitteilung: Er beschreibt, welche Kontroll-, Freigabe- und Haftungsmuster eine Aufsicht beim delegierten Bezahlen akzeptiert. Wer seine Payment-Architektur für die nächsten zwei Jahre festlegt, sollte ihn abwarten, bevor er sich auf eine einzige Schiene festnagelt.

    Für dich als Entscheider bedeutet das: Noch nichts umbauen, aber die zweite Schiene offenhalten. Prüfe, ob dein Payment-Stack Mandatsverfahren mit Limit und Widerruf überhaupt abbilden kann — falls agentisches Bezahlen nicht über die Karte kommt, sondern über das Konto. Der verwertbare Termin ist der FCA-Praxisbericht noch 2026 mit Auswertung im ersten Quartal 2027. Bis dahin ist die Mandats-These ein Argument des Anbieters, belegt durch genau eine Spende.

  • TikTok kauft für dich ein, bevor du den Shop siehst

    TikTok verlegt den Kaufabschluss in den Feed. Auf der Advertising Week New York hat die Plattform am 5. Oktober 2026 zwei Funktionen vorgestellt: „Buy Direct“, einen Checkout, mit dem Nutzer per Klick direkt aus dem For-You-Feed bei einer Marke kaufen, und einen Shopping Assistant, der Fragen zu Größe, Versand und Verfügbarkeit beantwortet und den Kauf im selben Dialog abschließt.

    TikTok nennt beides ausdrücklich die ersten von mehreren agentischen Commerce-Funktionen – gemeint sind Systeme, die den Kauf im Auftrag des Nutzers anbahnen und abschließen. Gebaut wurden sie mit Salesforce, Shopify, Shoplazza und Stripe. Start ist zunächst die USA, ein Datum für DACH gibt es nicht.

    Warum das für dich relevant ist

    Die eigentliche Nachricht für deutsche Händler steht im Kleingedruckten. Im selben Paket ändert TikTok die Werbeautomatik GMV Max: Affiliate-Provisionen, Coupons und Referral Fees fließen künftig in die Optimierung ein.

    Das verschiebt deine Deckungsbeiträge genau dort, wo in Deutschland das Geschäft gemacht wird. 73,8 Prozent des deutschen TikTok-Shop-Umsatzes laufen über Affiliates. Wer bisher gegen reine Werbekosten optimiert hat, rechnet ab jetzt gegen eine andere Kostenbasis – und sieht bei gleichem Zielwert plötzlich andere Gebote.

    Dass Shopify und Stripe mit am Tisch sitzen, heißt zweitens: Die technische Brücke nach Europa steht schon. Buy Direct braucht keinen TikTok-Shop-Account – der Kauf läuft auch für Marken, die bisher nur Werbung geschaltet haben.

    Die konkreten Zahlen

    • 174,7 Millionen Euro setzte TikTok Shop Deutschland in den 90 Tagen bis zum 9. Juli 2026 um — 35,0 Prozent der vier EU-Märkte
    • 73,8 Prozent davon über Affiliates, also Creator-Provisionen statt Eigenwerbung
    • 29,8 Millionen Euro entfallen auf Haushaltsgeräte, die größte Kategorie
    • 106,0 Milliarden Euro globales GMV erwartet ECDB für TikTok Shop 2026, ein Plus von 86 Prozent
    • Zwei von drei Euro des europäischen Geschäfts stammen weiterhin aus Großbritannien

    Der Blick nach vorn

    TikTok baut den eigenen Agenten, statt fremde einzulassen. Während Amazon externe Shopping-Agenten aussperrt und Walmart den Warenkorb an den eigenen Assistenten übergibt, stellt TikTok den Assistenten gleich vor den Kaufprozess. Deine Produktdaten entscheiden dann, ob der Assistent dein Angebot überhaupt korrekt beschreiben kann.

    Für Europa fehlt der Termin — aber die Reihenfolge ist aus der TikTok-Shop-Einführung bekannt: erst USA und Großbritannien, dann die EU-Märkte. Vorlauf für Händler: Monate, nicht Jahre.

    Für dich als Entscheider bedeutet das: Prüfe zuerst, wie GMV Max deine Kampagnen nach der Umstellung bewertet — bei 73,8 Prozent Affiliate-Anteil ändert sich deine Marge, nicht nur dein Gebot. Rechne Provisionen, Coupons und Referral Fees in deine Zielwerte ein, bevor die Automatik es für dich tut. Und sortiere deine Produktdaten jetzt so, dass ein Assistent Größe, Versand und Verfügbarkeit ohne Rückfrage beantworten kann. Buy Direct kommt ohne Ankündigungsfrist nach Europa, wenn es kommt.

  • Zalando setzt mit „Bezahl nur was Du behältst“ einen neuen Payment-Standard?

    Excitingcommerce hat frisch auf einen Bezahlservice von Zalando hingewiesen: „Bezahl nur noch, was Du behältst“. Diese Paymentmethode wurde bisher in Frankreich getestet.

    Bisher dachte man bei diesem Service eher an eine Art „Payment-Anschubhilfe in Ländern, die keinen Rechnungskauf kennen“. Aber ist das wirklich die richtige Perspektive? Ist „Pay Later“ nicht eigentlich…:

    Pay Later als die „viel bessere Kauf auf Rechnung nur ohne nervige Rechnung“?!

    Gerade für Vielbesteller, die Zalando & Co auch besonders im Auge haben, ist Kauf auf Rechnung eigentlich eine sehr unbequeme Zahlart. Erst bestelle ich sehr viele Klamotten, dann schicke ich davon sehr viele zurück, dann muss ich selber als Kunde (!) die Summen der zurückgeschickten Waren händisch auf einem Lieferschein von der Gesamtsumme abziehen und letztendlich darf ich nicht vergessen dann diesen Betrag fristgerecht zu überweisen, denn sonst flattern schnell Zahlungserinnerungen ins Postfach und man ärgert sich.

    Paylater Zalando

    Die Zalando-Methode „Try First, Pay Later“ zielt genau darauf ab, diesen komplizierten Zahlungsablauf zu vereinfachen. Im Rahmen der Check-out-Option „Try Now, Pay Later“ wird es für Kunden noch komfortabler, da der Betrag erst dann abgebucht wird, wenn der gesamte Bestellprozess abgeschlossen ist – inklusive Rücksendungen. MD Zalando Payments hat hier eine innovative Lösung geschaffen, die den Online-Einkauf revolutioniert und dabei die Gewohnheiten der Kunden berücksichtigt.

    Eine viel höhere Convenience ist da doch die Zahlart „Bezahl nur noch das, was Du behältst“ a la Zalando: Über die Träger-Zahlart Kreditkarte wird erst dann der jeweilige Betrag abgebucht, wenn alle Artikel verschickt und retourniert wurden und die Rechnerei automatisiert durch Zalando erfolgt ist, abgebucht wird ähnlich spät als wenn ich selbst überweise. Ergebnis: Eine viel höhere Bequemlichkeit und wenn das klappt, dann kaufe und kaufe und kaufe ich nur noch da. Endlich eliminiert mal ein Anbieter dieses nervige Payment! Nice!

    Für Erstkunden und „Online-Kauf-Einsteiger“ bleibt Rechnungskauf Zahlart der Wahl 

    Klar, für diese Kundengruppen geht es vor allem um Vertrauen. Bekomme ich auch wirklich die Ware so wie ich es will? Bekomme ich auch wirklich mein Geld zurück wenn ich was zurückschicke? Ich will keine ach so vertraulichen Kreditkartendaten „irgendeinem Online-Shop“ anvertrauen? Daher werden gerade Fashion Online-Shops nicht auf Rechnungskauf verzichten können, aber ich denke, Zalando hat mit Pay Later eine sehr gewichtige Chance auch und gerade im Rechnungskauf-Land Deutschland den Zahlarten-Mix gehörig durcheinander zu wirbeln!