Schlagwort: Handelspolitik

  • EU-Pauschalzoll nach zehn Wochen: Die Pakete verschwinden, der Wettbewerb bleibt

    Zweieinhalb Monate nach dem Ende der 150-Euro-Zollfreigrenze liegen erste belastbare Zahlen vor. Seit dem 1. Juli 2026 gilt in der EU ein vorläufiger Pauschalzoll von drei Euro — und zwar nicht pro Paket, sondern pro Warenkategorie innerhalb einer Sendung. Die Übergangsregelung läuft bis 1. Juli 2028, danach greifen die regulären warenabhängigen Zollsätze.

    Die Zahlen sprechen eine klare Sprache

    Der französische Zoll meldet Ende August einen Rückgang der Kleinsendungen in die EU um 30 bis 40 Prozent. Bei Temu soll das Minus bei den importierten Sendungen rund 50 Prozent betragen. Die Österreichische Post verzeichnet seit Juli im Schnitt 26 Prozent weniger Pakete aus Fernost — der Handelsverband spricht von einem Etappenerfolg, warnt aber vor Entwarnung.

    Eine Auswertung von Bankdaten aus 1,5 Millionen französischen Nutzerkonten zeigt für Juni auf Juli: Temu minus 50 Prozent Verkaufsvolumen, AliExpress minus 37 Prozent, Shein nur minus 15 Prozent. Gleichzeitig wachsen die Warenkörbe — bei Temu um 30 Prozent, bei AliExpress um 27 Prozent. Kunden bestellen seltener, dafür größer. Der milde Shein-Rückgang wird mit dem Großlager in Polen in Verbindung gebracht.

    Warum das für dich relevant ist

    Im deutschen Handel kommt von diesem Einbruch bislang kaum etwas an. Deutsche Online-Händler merken vom Rückgang nach eigenen Angaben wenig. Die Vermutung in Verkäuferkreisen: Temu und Shein schicken ihre Ware in Sammelcontainern per Bahn und Schiff in EU-Lager und umgehen den Pauschalzoll damit faktisch. Der Zoll verlagert also die Lieferkette, statt den Wettbewerb zu entschärfen.

    Hinzu kommt ein Konstruktionsfehler mit Adressat: Weil die drei Euro pro Warenkategorie anfallen, zahlt ein kleiner Importeur mit gemischtem Sortiment pro Sendung mehrfach — während die Plattformen ihre Volumina über Sammelimporte bündeln.

    • Drei Euro pro Zolltarifposition, nicht pro Paket — gemischte Sortimente werden teurer
    • Sammelcontainer in EU-Lager schlagen die Kleinsendungs-Logik aus
    • Höhere Warenkörbe beim Kunden gleichen Bestellfrequenz teilweise aus

    Für dich als Entscheider bedeutet das: Rechne nicht mit einem Wettbewerbsvorteil durch den Pauschalzoll. Die Plattformen haben ihre Lieferkette binnen Wochen umgebaut, dein eigener Import bleibt belastet — besonders bei gemischten Sortimenten. Prüfe deshalb zwei Dinge konkret: ob deine Sendungen sich nach Zolltarifpositionen bündeln lassen, und ob eigene Beschaffung über Sammelimport statt Einzelsendung rechnet. Wer bis 1. Juli 2028 auf die dann greifenden regulären Zollsätze wartet, verliert zwei Jahre.