Schlagwort: Google Shopping

  • ChatGPT-Werbung startet in Deutschland: Der neue Kanal kommt aus dem Shopify-Backend

    Das Wichtigste zuerst

    Ab dem 23. September sollen Shopify-Händler auch in Deutschland Werbung in ChatGPT buchen können. Der Weg dorthin führt laut den vorliegenden Branchenberichten über eine App im Shopify-Backend: Produktkatalog wird automatisch angebunden, Budgetvorgabe und Erfolgsmessung laufen an derselben Stelle. Wer HubSpot einsetzt, kann das Anzeigenkonto bereits jetzt mit dem CRM verknüpfen. In den USA testet OpenAI zusätzlich Sponsored Agents — wer eine Anzeige gesehen hat, redet anschließend mit dem Chatbot der Marke weiter.

    Einschränkung, die dazugehört: Eine Bestätigung aus dem OpenAI-Newsroom liegt uns noch nicht vor. Bis dahin ist das ein belastbarer Bericht, keine offizielle Ankündigung.

    Warum das für dich relevant ist

    Der Zeitpunkt ist der eigentliche Punkt. Google hat im EWR die Produktkarussells aus den Suchergebnissen fast vollständig entfernt und spricht selbst vom größten Rückgang der Suchqualität in 29 Jahren Firmengeschichte; das neue Layout läuft seit dem 8. September 2026. Genau in dem Moment, in dem organische Produktsichtbarkeit wegbricht, entsteht ein bezahlter Ersatzkanal. Das Muster kennen wir von Google Shopping vor 15 Jahren: früh billig, später teuer.

    Zur Frage, wer am Ende die Produktdaten und den Kaufabschluss kontrolliert, haben wir in KI-Checkout auf Eis geschrieben — hier geht es um etwas anderes: um Reichweite, die man kaufen kann. Und um eine ungleiche Startlinie. Shopify-Händler klicken eine App an. Shopware- und Eigenbau-Shops brauchen Feed, Konto und Tracking selbst gebaut.

    Für dich als Entscheider bedeutet das: Wenn du auf Shopify bist, buche ab dem 23. September ein Testbudget, das du auch verlieren kannst — die günstigen Klickpreise gibt es nur am Anfang, und du brauchst eigene Zahlen, bevor der Kanal Preis bekommt. Läuft dein Shop auf Shopware oder Eigenbau, ist jetzt die Frage zu klären, wer Produktfeed und Messung für KI-Kanäle verantwortet. Und bevor Geld fließt: Warte die Bestätigung durch OpenAI und den Shopify App Store ab.

  • Google löscht die Produkt-Karussells: Europas Händler verlieren Sichtbarkeit

    Ein bezahlfreier Sichtbarkeitskanal ist binnen Tagen verschwunden. Seit dem 8. September 2026 rollt Google seine DMA-Anpassungen für die europäische Suche aus. Seitdem fallen die organischen Produkt-Karussells — die Einheit „beliebte Produkte" über den klassischen Treffern — aus Shopping-nahen Suchergebnissen im gesamten Europäischen Wirtschaftsraum. Betroffen sind alle EU-Staaten plus Norwegen, Island und Liechtenstein.

    Die niederländische Analyseplattform Productrise, die täglich tausende Suchanfragen auf Karussells trackt, misst laut Gründer Hugo Huijer Rückgänge von 90 bis 100 Prozent innerhalb weniger Tage. In Großbritannien, den USA und Australien bleibt die Darstellung unverändert. Google selbst bezeichnet die Änderung gegenüber Reuters als den größten Qualitätsverlust in der 29-jährigen Geschichte der Suche. In Travel-Ergebnissen fallen parallel Live-Preise, Datumsfilter und die Ferienwohnungs-Einheit weg.

    Was dahinter steckt

    Auslöser ist die erste DMA-Strafe überhaupt. Am 23. Juli 2026 verhängte die EU-Kommission 890 Millionen Euro gegen Google — 460 Millionen für Selbstbevorzugung in der Suche, 430 Millionen für Anti-Steering bei Google Play. Die Frist zur Abstellung beträgt 60 Tage und endet damit rund um den 21. September 2026. Danach drohen Zwangsgelder von bis zu 5 Prozent des durchschnittlichen weltweiten Tagesumsatzes.

    Googles Antwort auf die Selbstbevorzugungs-Rüge ist also nicht, fremdes Inventar gleichberechtigt einzubinden, sondern die beanstandete Einheit im EWR schlicht abzuschalten. Für Händler ist das Ergebnis dasselbe: Wer bislang über generische Produktsuchen ohne Media-Budget in die Ergebnisse kam, kommt dort nicht mehr vor.

    Der zweite Strang: Streit um das CSS-Remedy

    Parallel steht der günstigste Zugangsweg zur Disposition. Zwölf europäische Preisvergleichsdienste — darunter Productcaster, Producthero, Shoptimised, smec und Sembot — haben am 8. September als „CSS Group" einen offenen Brief an Kommissionspräsidentin von der Leyen, Wettbewerbskommissarin Ribera sowie die zuständigen Referate geschickt. Ihre Warnung: Ein „Box-to-Box"-Remedy, bei dem jeder Vergleichsdienst eine eigene Shopping-Box bekommt, Googles eigene Box für fremdes Inventar aber geschlossen bleibt, würde die Selbstbevorzugung verschärfen statt heilen — und 93.000 Händler zurück zu Google drängen. Zur Frist nennen die Unterzeichner den 21. beziehungsweise 25. September.

    CSS-Anbieter (Comparison Shopping Services, also Preisvergleichsdienste, über die Händler ihre Shopping-Anzeigen ausspielen) gelten in der Branche als günstigere Route in Google Shopping. Die häufig zitierte Ersparnis von rund 20 Prozent beim Klickpreis ist allerdings eine Branchenschätzung von EcomCrew, keine unabhängige Messung — behandle sie entsprechend.

    Warum das für dich relevant ist

    Die Schweiz ist ein eigener Prüfpunkt. Die DMA-Änderungen gelten für den EWR — die Schweiz gehört nicht dazu. Wer DACH-weit verkauft, sollte Deutschland, Österreich und die Schweiz in den Reports getrennt betrachten, sonst mischen sich zwei völlig unterschiedliche Sichtbarkeitslagen zu einer unbrauchbaren Durchschnittskurve.

    Die betriebswirtschaftliche Folge ist unangenehm simpel: Budget wandert in Paid Shopping, der Druck auf die Klickpreise steigt — und das mitten in der Vorbereitung auf das vierte Quartal. Wer organischen Shopping-Traffic in Analytics separat ausweist, sieht den Bruch ab der zweiten Septemberwoche.

    Für dich als Entscheider bedeutet das: Friere jetzt eine Baseline pro Land ein — Sessions, Umsatz und Anteil organischer Produktklicks für die Wochen vor dem 8. September. Später lässt sich der Effekt nicht mehr sauber von Saisonalität trennen. Danach: Paid-Shopping-Budget für Q4 gegen den erwarteten CPC-Druck neu rechnen, die CSS-Abhängigkeit prüfen, solange das Remedy noch offen ist, und eigene Sichtbarkeitskanäle ohne Google-Vermittlung stärken. Ein Kanal, den eine Behördenentscheidung in vier Tagen abschalten kann, war nie ein Vertriebsweg — er war ein geduldeter Zufluss.