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  • 560 Millionen Pakete kommen zurück: Was deine Gratis-Retoure kostet

    Deutsche Onlinekäufer schicken 2026 voraussichtlich 560 Millionen Pakete zurück — so viele wie nie zuvor. Im Vorjahr waren es 550 Millionen, rechnet Retourenforscher Björn Asdecker von der Universität Bamberg vor.

    Am selben Tag veröffentlichte das EHI die zweite Hälfte der Geschichte: 60,6 Prozent der Händler übernehmen die Rücksendekosten wieder vollständig, nach 49,2 Prozent im Vorjahr. Nur noch 10,6 Prozent geben die Kosten komplett an den Kunden weiter — nach 18,0 Prozent.

    Warum das für dich relevant ist

    Die beiden Zahlen widersprechen sich nur scheinbar. Die Retourenquote stagniert; der Anstieg kommt laut Asdecker allein aus dem Wachstum des Onlinehandels. Mehr Bestellungen, gleiche Quote, mehr Pakete.

    Die Gratis-Retoure ist damit 2026 zurück als Wettbewerbsinstrument. 76,2 Prozent der Händler nennen Kundenzufriedenheit und Kundenbindung als Hauptgrund für die kostenlose Rücksendung. Wer weiter berechnet, gehört zu einer schrumpfenden Minderheit von 10,6 Prozent — und muss das im Checkout gegen den Wettbewerb verteidigen.

    Der Kostenblock sitzt dabei nicht im Lager, sondern auf der Straße: Der Rücktransport ist mit 70,6 Prozent der größte Kostenfaktor der Retourenbearbeitung. Jede übernommene Rücksendung ist eine Versandkostenentscheidung, keine Prozessfrage.

    Die Benchmarks nach Branche

    Zwei Drittel der Händler liegen bei maximal 10 Prozent artikelbezogener Retourenquote — genau 66,7 Prozent. Der Anteil mit mehr als 20 Prozent sank leicht von rund 25 auf 23,6 Prozent. Gleichzeitig berichten mehr Händler von steigenden Quoten: 18,7 Prozent nach 14,7 Prozent im Vorjahr.

    • Fashion: 67,8 Prozent der Händler über 20 Prozent Retourenquote, nach 65,3 Prozent 2025. Quoten über 50 Prozent gingen zurück, dafür wuchs die Gruppe zwischen 36 und 50 Prozent.
    • Consumer Electronics: 94,5 Prozent bleiben unter 10 Prozent, nach 85,7 Prozent. Der Abstand zwischen den Segmenten wird größer, nicht kleiner.
    • Rücktransport als Haupttreiber (70,6 Prozent) — Prüfung und Wiedereinlagerung sind der kleinere Teil der Rechnung.

    Das EHI beschreibt die Verschiebung so: Das Retourenmanagement bewegt sich weg von der allgemeinen Kostenfrage hin zu zielgerichteter Ursachenanalyse und differenzierter Kontrolle, sagt Projektleiter Logistik Niklas Stanislawski. Heißt praktisch: Nicht mehr fragen, was eine Retoure kostet, sondern welche Artikel und welche Kundengruppen sie auslösen. Details stehen in der EHI-Mitteilung zur Studie.

    Der Blick nach vorn

    Der Frühwarnindikator steht im Mengen-Datensatz. Asdecker verweist darauf, dass die stabile Quote kippen könnte, weil immer mehr Menschen über Smartphone-Apps bestellen — schnellere Käufe, weniger Prüfung vor dem Klick.

    Beide Erhebungen erschienen am 30. September, unmittelbar vor dem vierten Quartal. Wer die Kostenübernahme fürs Weihnachtsgeschäft noch anpassen will, hat dafür jetzt das Zeitfenster — nicht im Januar, wenn die Pakete zurückkommen. Die Mengenprognose für 2026 liefert dafür das Volumengerüst.

    Für dich als Entscheider bedeutet das: Die Gratis-Retoure ist keine Kulanz mehr, sondern Marktstandard — sechs von zehn Händlern zahlen den Rückversand selbst. Entscheide vor dem Q4, ob du mitziehst, und rechne den Rücktransport als eigenen Posten in die Deckungsbeiträge, nicht als Gemeinkosten. Im Fashion-Segment mit 67,8 Prozent der Händler über 20 Prozent Quote entscheidet diese Kalkulation über die Marge des gesamten Weihnachtsgeschäfts. Wer die Kosten weiterberechnet, braucht dafür ab sofort ein Argument, das stärker ist als der Preis.