Schlagwort: Bundesnetzagentur

  • Die Netzagentur erlaubt der Post 20 Prozent mehr Porto

    Die Bundesnetzagentur gibt der Deutschen Post für 2027 und 2028 einen Erhöhungsspielraum von 20,35 Prozent frei. Der Entscheidungsentwurf zum Price-Cap-Verfahren ist seit dem 12. Oktober öffentlich und gilt für Privatkundenbriefe und Geschäftspost.

    Für Privatkundenpakete liegt der Spielraum bei 10,72 Prozent. In der vorigen Runde 2024 waren es 10,48 Prozent bei Briefen und 7,21 Prozent bei Paketen — der Rahmen verdoppelt sich also fast.

    Es ist ein Entwurf, kein Preis. Die Stellungnahmefrist endet am 30. Oktober, die endgültige Entscheidung fällt voraussichtlich im November. Die Einzelpreise beantragt die Post erst danach. Die kursierenden 1,14 Euro für den Standardbrief statt heute 95 Cent sind eine Rechengröße für den Fall, dass die Post den Spielraum gleichmäßig verteilt — keine Ankündigung.

    Warum das für dich relevant ist

    Reguliert ist nicht alles, was du verschickst. Der Spielraum deckt Privatkundenbriefe, Geschäftspost und Privatkundenpakete ab. Die Konditionen aus Geschäftskundenverträgen im Paketbereich sind in dem Entwurf nicht ausgewiesen — wer einen Rahmenvertrag mit DHL hat, verhandelt weiter separat.

    Der Paketspielraum trifft trotzdem im Handel auf: bei selbst frankierten Retouren, die der Kunde am Schalter bezahlt, und beim Paketshop-Versand kleiner Händler ohne Rahmenvertrag.

    Der Briefteil trifft die Verwaltung. Wer Rechnungen, Mahnungen, Garantieunterlagen oder Werbebeilagen noch auf Papier verschickt, rechnet 2027 mit rund einem Fünftel mehr pro Sendung. Bei fünfstelligen Sendungsmengen ist das der Punkt, an dem sich die Umstellung auf E-Rechnung schneller amortisiert als bisher kalkuliert.

    Der größere Zusammenhang

    Die Post setzt den Takt für den Rest des Marktes. Hermes, GLS und DPD legen ihre Preisrunden traditionell im Januar auf — im Windschatten der Post. Ein regulatorisch abgesegneter Rahmen von über zehn Prozent im Paketbereich senkt die Hemmschwelle für die Wettbewerber, in ihren eigenen Verhandlungen nachzuziehen.

    Begründet hat BNetzA-Präsident Klaus Müller den Spielraum mit den sinkenden Briefmengen: Weniger Sendungen verteilen die Fixkosten des Netzes auf weniger Schultern. In die Formel eingesetzt hat die Behörde 4,04 Prozent gesamtwirtschaftliche Preissteigerung über zwei Jahre — nicht alle von der Post geltend gemachten Kosten wurden anerkannt.

    Für dich als Entscheider bedeutet das: Setz die 10,72 Prozent als Obergrenze in deine Versand- und Retourenkalkulation für 2027 ein, bevor du im Dezember Preise und Versandkostenschwellen festzurrst. Prüf parallel, wie viele Briefsendungen pro Monat noch aus deiner Buchhaltung gehen — bei 20 Prozent Aufschlag rechnet sich der Umstieg auf digitale Rechnungen neu. Und wer einen DHL-Rahmenvertrag hat, geht jetzt in die Verhandlung, nicht im Januar: Der Entwurf gibt dem Vertrieb der Post ein Argument an die Hand, das er bis November noch nicht ausspielen kann.