Startup Friday: Mehr Live Shopping für Produktneuheiten

Internethandel funktioniert nach Wahrnehmung vieler Entscheider nur über den Preis. Tatsächlich ist es so, dass durch das Internet die Preistransparenz deutlich zugenommen hat. Player wie MediaMarkt spüren diese Transparenz und das dadurch veränderte Kundeneinkaufsverhalten. Ist dies somit ein ungeschriebenes Gesetz des E-Commerce?

Unter dem Schlagwort „Curated Shopping“ stellen mehr und mehr Startups unter Beweis, das E-Commerce Verkaufsformate auch abseits von Marken & Preis funktionieren.

Aktuelle Beispiele dafür sind:

Startups, die in (Curated) Live Shopping Chancen sehen, können im Sinne eines Minimum Viable Products mittlerweile auch technologisch schlanker und damit schneller starten.

dotSource stellt volle Liveshopping Funktionalität auf Basis WordPress zur freien Verfügung

Eine Empfehlung: Das Team von dotSource hat seine bis 2009 auf Preisbock.de im Produktiveinsatz befindliche WordPress E-Commerce Lösung zur freien Verfügung online gestellt. Die vollständige Produktpräsentation, Payment-Funktionalität und Kundenrating-Verwaltung wurde in einem WordPress Plugin gekapselt und auf Sourcefourge veröffentlicht. Dazu gibt es eine Dokumentation, wie das Plugin zu nutzen und anzupassen ist. Ein idealer Startpunkt für Startups um schnell eigene Live-Shopping-Konzepte auszuprobieren und zu verfeinern (Ganz im Sinne eines weiteren Prinzips von Lean Startup: „fail fast, try often„).

Startup Friday: Fail fast, try often

Die meisten Geschäftsmodelle scheitern. Die meisten Strategien zur Erreichung einer Vision scheitern. Die meisten Ventures scheitern. – Das gehört zum Gründen dazu und jeder Gründer erlebt es, manchmal auf die drastische Art als Scheitern des Geschäftsmodells oder als Chance zum Pivot, wenn eine Hypothese über das Kundenverhalten oder den Markt nicht zutrifft.

Gerade die jüngere Diskussion in Büchern wie Lean Startup zeigt, dass Scheitern nicht ein dauerhafter Makel eines Entrepeneurs ist – solange auf die richtige Art und Weise gescheitert wird. Mark Pincus, Founder von Zynga, beschreibt „Art of Failing“ so: Fail fast, look at the data, and move on. Dieses Prinzip bedeutet eben nicht, ständig „aus einem Bauchgefühl heraus“ und opportunistisch seine Ziele zu ändern, sondern:

  • mehrere Hypothesen zu bilden, wie die eigene unternehmerische Vision erreicht werden kann;
  • diese schnell und gegen eigene Vorurteile rücksichtslos im Markt zu testen;
  • dabei quantitative Daten sammeln um den Erfolg / Misserfolg objektiv und möglichst schnell (!) bewerten zu können und
  • gescheiterte Hypothesen zu eliminieren

Perfektionismus ist somit ein Gegenspieler zum unternehmerischen Erfolg. Wer mehr über diese Philosophie des „Failure as an Option“ erfahren will, dem sind diese Links empfohlen:

Startup Extra: New York als Epicenter of eCommerce?

Silicon Valley wird landläufig als das beste Ökosystem für Startups gesehen. Die Kombination aus finanziellen Ressourcen sowie Talenten ist einmalig in der Welt. Viele der am höchten bewerteten Unternehmen der Welt kommen aus dem Valley: Google, eBay, Yahoo, Facebook oder Zynga.

Gerade bei Pure E-Commerce Geschäftsmodellen zeichnet sich allerdings eine Wende ab. In Europa läuft Berlin zum Beispiel London mehr und mehr den Rang ab. In den USA wird New York City als das „epicenter of e-commerce“ gesehen. Hier finden sich Startups wie Birchbox, Bonobos, GiltGroupe, Diapers.com, H.BLOOM, Fab.com, Ideeli, OpenSky, RentTheRunway and Warby Parker. Über den War for Talents in NYC berichtete bereits die Wired. Ende 2009 spürte ebenfalls Wired dem Startup-Boom in New York nach.

Über Fab.com und die Verbindung von Social, Commerce und Content wurde in diesem Blog bereits berichtet. Auf meiner persönlichen Watchlist außerdem:

  1. GiltGroupe hat das Zeug dazu den Online-Code der Frauen zu lösen. Einige Zahlen und Hintergründe finden sich in dieser Präsentation aus 2010.
  2. Bonobos versteht die Männer-Bedürfnisse beim Online-Kauf. In diesem Blog-Beitrag von Lightspeed lesenswert auf den Punkt gebracht.
  3. Birchbox mit einer Variante des Abo-Modells. Interessant zu beobachten, ob aus den Kundendaten noch mehr rausgeholt werden kann. Sehenswertes Video-Interview mit den Gründerinnen.

Startup Friday: Die Verbindung von Social, Commerce und Content am Beispiel von Fab.com

Die Verbindung von Social, Commerce und Content könnte eine Erfolgsformel für E-Commerce Geschäftsmodelle werden. Fab.com beweist dies mit seinem Wachstum und seiner Sichtbarkeit bei Kunden und Investoren.

Social: Mehr als 50% der Kunden kommen über Empfehlung von Stammkunden oder Soziale Netzwerke. Fab.com veröffentlichte folgende Zahlen nach dem Cyber Monday:

  • 50% der Umsätze von 1,1 Millionen Dollar kamen über soziale Vernetzung
  • Die Hälfte davon über Facebook; die andere Hälfte über Twitter und „Members get Members“-E-Mails.
  • 20% weitere Sales wurden über die mobilen Apps für iPhone, iPad und Android generiert

Die gefühlte Verknappung durch daily deals und den limitierten Zugang über Club Shopping-Mechanismen verstärken die Mund-zu-Mund-Propaganda. Fab incentiviert die Empfehlung von weiteren Nutzern zusätzlich.

Social, Commerce und Content bei Fab.com

Commerce: Fab.com möchte das Amazon für Design werden. Co-Founder Bradford Shellhammer bringt mit seiner beruflichen Historie das richtige Händchen für coole Design-Musthaves mit. Fab verkauft Design-Artikel über alle Preislagen und in einer Breite über Fashion, Home Products, Outdoor bis hin zu Spielzeug. Damit unterstreicht Fab.com seinen Category Killer – Anspruch.

Content: Fab.com sieht sich als Kurator für Design-Produkte, die bei den Kunden ein Lächeln hervorrufen. Sie sorgen über das Live-Shopping Format für tägliche Abwechslung. Mit magazinartigen Input bieten sie auch Inspiration ohne konkrete Verkaufsabsicht. Dazu passend: Zu jedem Produkt wird eine Geschichte erzählt; über die Designer, den Herstellungsprozess oder das Material.

Die Philosophie der Verbindung von Social Commerce mit Content wird in dem folgenden Video deutlich:

Abschließend einige Fakten zur Traction von Fab.com und empfehlenswerte Artikel zur Verbindung von Social Commerce und Content:

  • 200.000 Dollar Umsatz pro Tag
  • 1,3 Millionen Mitglieder, 300.000 neue Mitglieder / Monat (Stand Dezember 2011)
  • 200.000 Nutzer der Mobile Apps
  • 500.000 verkaufte Artikel seit Go-Live
  • In November 2011 wurden 100.000 Orders abgewickelt
  • Die neue Finanzierungsrunde brachte 40 Millionen VC bei einer 200 Millionen Dollar Bewertung ein (die Runde zuvor belief sich auf 8 Millionen bei 25 Millionen Bewertung)

Der Founder Jason Goldberg kommuniziert in seinem Blog sehr offen die Philosophie und KPIs von Fab.com, der VC plaudert auch offen über die Zahlen.