Meinung: E-Commerce Geschäftsmodelle gestern vs 2017

Meinung: E-Commerce Geschäftsmodelle gestern vs 2017

Zusammenfassung: Marketplaces ist das Winner-Geschäftsmodell gestern & heute; Hersteller/Brands haben die besten Potentiale und Pure Plays müssen schleunigst eine ziemlich harte Nuss knacken…

Ausführlicher: „Frei von der Leber“ und ohne großen Daten-/Zahlen-Jongliererei…

GeschäftsmodellGestern2017
MarktplatzBestes GeschäftsmodellWinner takes it all: Amazon - die vermeintlichen Nischen-Marktplätze wie Rakuten, Allyouneed/MeinPaket konnten nie wirkliche Traction entfalten
Pure Player Fester Glaube war: In jeder Nische wird es ein "Vertical-Winner" geben mit economies of scale à la Zalando und CPO geht dadurch runter Die große Illusion meiner Einschätzung nach bei Investoren & Machern: bis auf wenige Ausnahmen muss man sich auch Jahre später immer noch jeden Kunden teuer einkaufen, repurchase rates sind viel zu niedrig --> Invests in klassische E-Com Modelle gehen radikal zurück
Katalogversender"Wenn sie erst aufwachen, dann überholen sie Amazon": haben Logistik-/Marketing-Data-Assets + loyale Kunden Markt total verschlafen und das schon Ende der 90er Jahre, wurden überrollt von Companies die radikaler auf Tech gesetzt haben; je nach Propaganda Gläubigkeit ist ggf. Otto die einzige Firma die noch sich einigermaßen halten kann
Omnichannel / brick and mortar Multichannel ... ähm Omnichannel Dream: wenn ich alle Kanäle bediene, dann wird alles gut denn es gibt Synergien und Kunden honorieren dieses "Erlebnis" "Multichannel-Kunden" (Messbarkeit??) sind Offline-Kunden und dadurch nur Verschiebung, keine Loyalität der Onlinekunden durch Omnichannel, gleiches Problem wie Pure Plays nur noch weniger tech-getrieben / Agil
Hersteller / Brands Stiefmütterliche "Digital-Einheiten" (oft <= 5 Leute, selbst in großen Konzernen), die wirklich Ahnung hatten. Meistens die die mit Amazon verhandelt haben Durch neuen Kaufprozess online: erst Produktsuche, dann "point of sale" (vs. früher ist man zuerst zu Karstadt um dort "irgendein Spielzeug zu kaufen") --> spielt Brands massiv in die Karten; wenn hier unterlegt wird mit echtem USP und Date-/Tech-driven Team (meist nicht intern aufbaubar)

 

Die Englische Woche des E-Commerce in Berlin

Diese Woche geht es rund in Berlin; die Hotels sind ausgebucht und wahrscheinlich zu 80% von „Digital Guys“ belegt. Denn es ist Konferenz Rush Hour in Berlin mit den folgenden Parallel-Events:

Passend dazu gibt es viele offizielle und inoffizielle (Pre-)Parties und Stelldichein der Digital-Szene. Heute Abend geht es schon los mit einem K5 Grill’n’Chill für jedermann, für alle Operations / Customer Service Interessierten ein „Service First BBQ“ von AI-Startup Parlamind mit Self-Registration und ein invitation-only NOAH Startup Dinner von Adyen. Ich werde versuchen bei allen drei dabei zu sein… 🙂

Zalando setzt mit „Bezahl nur was Du behältst“ einen neuen Payment-Standard?

Excitingcommerce hat frisch auf einen Bezahlservice von Zalando hingewiesen: „Bezahl nur noch, was Du behältst“. Diese Paymentmethode wurde bisher in Frankreich getestet.

Bisher dachte man bei diesem Service eher an eine Art „Payment-Anschubhilfe in Ländern, die keinen Rechnungskauf kennen“. Aber ist das wirklich die richtige Perspektive? Ist „Pay Later“ nicht eigentlich…:

Pay Later als die „viel bessere Kauf auf Rechnung nur ohne nervige Rechnung“?!

Gerade für Vielbesteller, die Zalando & Co auch besonders im Auge haben, ist Kauf auf Rechnung eigentlich eine sehr unbequeme Zahlart. Erst bestelle ich sehr viele Klamotten, dann schicke ich davon sehr viele zurück, dann muss ich selber als Kunde (!) die Summen der zurückgeschickten Waren händisch auf einem Lieferschein von der Gesamtsumme abziehen und letztendlich darf ich nicht vergessen dann diesen Betrag fristgerecht zu überweisen, denn sonst flattern schnell Zahlungserinnerungen ins Postfach und man ärgert sich.

Paylater Zalando

Eine viel höhere Convenience ist da doch die Zahlart „Bezahl nur noch das, was Du behältst“ a la Zalando: Über die Träger-Zahlart Kreditkarte wird erst dann der jeweilige Betrag abgebucht, wenn alle Artikel verschickt und retourniert wurden und die Rechnerei automatisiert durch Zalando erfolgt ist, abgebucht wird ähnlich spät als wenn ich selbst überweise. Ergebnis: Eine viel höhere Bequemlichkeit und wenn das klappt, dann kaufe und kaufe und kaufe ich nur noch da. Endlich eliminiert mal ein Anbieter dieses nervige Payment! Nice!

Für Erstkunden und „Online-Kauf-Einsteiger“ bleibt Rechnungskauf Zahlart der Wahl 

Klar, für diese Kundengruppen geht es vor allem um Vertrauen. Bekomme ich auch wirklich die Ware so wie ich es will? Bekomme ich auch wirklich mein Geld zurück wenn ich was zurückschicke? Ich will keine ach so vertraulichen Kreditkartendaten „irgendeinem Online-Shop“ anvertrauen? Daher werden gerade Fashion Online-Shops nicht auf Rechnungskauf verzichten können, aber ich denke, Zalando hat mit Pay Later eine sehr gewichtige Chance auch und gerade im Rechnungskauf-Land Deutschland den Zahlarten-Mix gehörig durcheinander zu wirbeln!

Jeder will Startup sein – hier lernt man wie es geht!

Egal ob Konzernlenker und Student: jeder will wissen, wie Startups funktionieren und erfolgreich aufgebaut werden. Die renommierte Startup-Schmiede Y Combinator macht dieses Wissen in einer kostenfreien Online-Startup-School zugänglich.  

Was unterscheidet Startupschool.org von anderen Angeboten?

  • Startups und ihre Erfolgsfaktoren sind für potentielle Entrepreneure und Entscheider in etablierten Unternehmen gleichermaßen elektrisierend. Die einen wollen das nächste Airbnb gründen, die anderen suchen neue Wachstumsfelder jenseits existierender Geschäftsmodelle.
  • Es finden sich viele Bücher und Konzepte zu einzelnen Erfolgsfaktoren von Startups (z.B. Customer Development, Lean Startup) aber nur sehr wenige in sich stimmige Ausbildungen für den Aufbau und die Skalierung von Startups.    
  • Hier schafft startupschool.org Abhilfe. Die Videos sind kuratiert durch die Macher hinter Y Combinator. Wenn jemand lernen will, wie man mit Startups die ersten 100 Tage meistert, dann ist man hier an der richtigen Adresse.  

Die renommierte Startup-Schmiede Y Combinator testet ein Online-Curriculum für Gründer und solche die es werden wollen

Die Startup-Schmiede “Y Combinator” pilotiert gerade ein Online-Studium für Startup Gründer und solche die gerne mehr über die Erfolgsfaktoren von Startups lernen wollen. Unter startupschool.org finden sich seit 10. April diverse Videos und Slides, die zusammen ein in sich stimmiges Curriculum für das Konzept und die Umsetzung von schnell wachsenden Online-Startups ergeben sollen. Die Macher hinter Y-Combinator kuratieren die  Auswahl. Die Essays des YC-Mitgründers Paul Graham sind schon lange Kult in der Startup-Szene und sollten tatsächlich Pflichtlektüre für jeden Intra-/Entrepreneur sein (ebenso wie Jeff Bezos’ jährlicher Brief an die Aktionäre ein Must-Read für jeden E-Commerce Entscheider ist). Wem Y-Combinator tatsächlich noch nicht all zu viel sagen sollte, dem empfehle ich diesen Erfahrungsbericht eines deutschen Startups, das es in das Programm geschafft hat. 

Empfehlenswerte Slides & Community zu den Videos  

Das Besondere an den Videos ist, dass neben den Videos auch einige Slides und Transcripts frei verfügbar sind. Des Weiteren wurden einige Hundert Startups auf der ganzen Welt zu einer geschlossenen Community mit Office Hours und persönlicher Betreuung über Chat-Programme eingeladen. Die Bewerbungsphase für dieses Programm ist allerdings schon abgelaufen, aber die Videos / Slides sind für jeden frei verfügbar. Reinschauen lohnt sich!

Die Themen des Kurs „Startup School: The First 100 Days“ wollen durch den Zuschauer vertieft werden 

  • Rationale für die Gründung eines Startups
  • Basics zu Legal Entities & Equity Setup für Startups (Fokus auf US-Markt mit Incorporation von Companies in Delaware etc.)
  • Idea Generation
  • How-to Product Management
  • Growth Hacking

Die Herausforderung in diesem Kurs ist, dass man nicht einfach durchs Konsumieren „die 10 wichtigsten Regeln für das Produktmanagement“ etc. erhält. Aktives Mitschreiben und Ableiten der wesentlichen Regeln für einen selbst und seine Situation ist Voraussetzung für einen echten Mehrwert.

Shopsysteme: Viele Möglichkeiten, viel Verwirrung

Manche Schlachten in den IT-Diskussionen dachte man seien schon geschlagen seit den ERP „Standard vs. Custom Built“ – Diskussionen Ende letzten Jahrhunderts. Stattdessen wird dieses Thema insbesondere bei Online Shop-Systemen wieder intensiv diskutiert – unter anderem auch auf eigenen Konferenzformaten wie den code talks. Dazu habe ich gerade einen sehr lesenswerten Artikel von Roman Zenner in der aktuellen retail technology Zeitschrift gelesen.

Die Kernthesen fasse ich mal in eigenen Worten zusammen und gebe auch meine Einschätzung mit dazu:

  • Es gibt eine Vielzahl an Shopsystemen, die um die Gunst der Entscheider buhlen
  • Anbieter von Standardsoftwaresystemen nehmen für sich in Anspruch die wesentlichen Use Cases und Features abzubilden, die für den erfolgreichen E-Commerce besonders erfolgsversprechend sind
  • Die Herausforderung bei jedem Standard ist das Abbilden individueller Geschäftsmodelle
  • Daher muss jede noch so vermeintlich ausgereifte Standardsoftware durch Agentur-Partner in einem sehr umfangreichen Customizing an die individuellen Anforderungen angepasst werden (so lesen sich jedenfalls die Angebote dieser Implementierungspartner)
  • Gleichzeitig verändert sich „der Standard im E-Commerce“ so schnell, dass man hier eher von einem „moving target“ sprechen sollte und es somit fraglich es, ob die Anbieter dieses Rennen sinnvoll gewinnen können

Roman arbeitet sehr schön die Kernherausforderung heraus: Die größere Freiheit durch Eigenentwicklungen (mit oder ohne „Frameworks“ wie Spryker) erkauft man sich durch eine höhere Abhängigkeit von seinem Integrationsdienstleister oder den internen Entwicklern. Das ist ein Punkt, den ich auch teile: Solche Modelle eignen sich eher für erfahrenere Teams – auf Business- wie technischer Seite – die aus moderner Technologie tatsächlich einen Wettbewerbsvorteil bauen und nicht einfach nur in der zusätzlichen Komplexität untergehen. Der Aufbau und Steuerung von solchen IT Expertenteams erfordert eine gänzlich andere Kultur und Geschäftsverständnis als die meisten Entscheider bisher aufbringen (Scrum, MVP, Lean Startup, Fail fast & try often etc. pp.).

Seine abschließende Schlussfolgerung im Kern auf ein „reifes“ Standardprodukt zu setzen, das aber über mehrere APIs dann doch wieder den technischen Zugriff durch den Händler selbst, ermöglicht, muss nochmals gesondert analysiert werden. Denn hier spricht vor allem der USP des Anbieters für den er aktuell arbeitet. Es kann sinnvoll sein, das würde ich aber gerne nochmals etwas durchdenken.